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Blog



Über die Anwendung und den sicheren Umgang mit ätherischen Ölen

Ich glaub ich steh im (Duft-) Wald

Auf meiner Reise nach Erfurt musste ich sonderliches riechen, soviel Duft überall, egal wo man sich bewegte. In dieser Anhäufung habe ich es noch nie erlebt!

Auf der Hinreise belohnten wir uns mit dem Duft von Thüringer Bratwürsten und natürlich deren Geschmack und hätte ich gewusst was danach auf mich zukommt, so hätte ich sicherlich den tollen natürlichen Duft der gebratenen Würste noch mehr genossen!

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Nachdem wir in unserem Hotel eingecheckt haben und mit dem Aufzug in der zweiten Etage angekommen sind, erwartetete uns ein penetranter Geruch der uns über den ganzen Flur bis zu unserem Zimmer begleitete. Dagegen fanden wir den Duft in unserem Zimmer, dort roch es dann eher muffig und wenig gelüftet, als sehr angenehm. Wir waren froh, dass diese Flurbeduftung nicht in unser Zimmer vorgedrungen war und dies, wie sich in den nächsten Tagen herausstellte wohl auch nicht möglich ist.....

Am nächsten Tag, beim aufmerksamen Weg zum Aufzug entdeckten wir zumindest zwei dieser "Duftübeltäter", eine große elektrische Duftsäule und ein kleiner Stecker, der über die Steckdose künstliche Gerüche in einer unglaublich hohen Konzentration freigibt. Beide Geräte haben wir aus der Steckdose entfernt und die Fenster geöffnet, in der Hoffnung, dass der Geruch sich nach draußen verflüchtigen kann. Aber siehe da, es gibt in diesem Hotel wohl sehr aufmerksame Mitarbeiter, die beide Geräte wieder zum duften brachten :-(

In der Straßenbahn hatte ich das Gefühl endlich richtig aufatmen zu können und schätzte doch tatsächlich die natürlichen Ausdünstungen der vielen Menschen.........mir war noch nie so bewusst, wie "gut" Menschen doch eigentlich duften ;-)

Auf den Krämerbrücken hatten wir dann aber tolle "Duft- und Geschmackserlebnisse" in einer kleinen Eisdiele mit wundervollen Eissorten, wie Erdeer-Tonka, Lavendeleis und vielen anderen leckeren Sorten, auch der Gewürzeladen duftete bis auf die Straße hinaus. Beim Schlendern über den Wochenmarkt dann die vielen Kräuter, auch aus der Welt der ätherischen Öle, welche von mir liebevoll gestreichelt wurden.

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An den nächsten beiden Tagen ist mir zudem aufgefallen, dass ungewöhnlich viele Geschäfte mit ihren "UN-wiederstehlichen" Düften wohl Kundschaft zum kaufen animieren möchten - ganz heftig war der Geruch auf einer Toilette in einem indischen Restaurant, noch nie hätte ich mich über typischen Toilettenduft so sehr gefreut wie an diesem Abend! Der Duft war wirklich "klebrig" in der Nase, was es fast unmöglich machte die herrlichen Gewürze und Geschmacknuancen des leckeren Essens noch wahrzunehmen.

Beim Abendessen am anderen Abend wurde ich bei meinem Rindersteak mit einem für mich eher ungewöhnlichen und gewöhnungsbedürftigen Geruch bzw. Aroma bekannt gemacht - Rauch! Ein Steak, wie wir auf Nachfrage erfahren haben, was in einem elektischen Grill mit Wasserdampf gegart wird. Das Raucharoma schien dann aber künstlich hinzugefügt zu werden. Mein Fazit: "Das brauche ich nicht noch einmal!"

 

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Aber der Höhepunkt dieser unfreiwilligen Duftreise kam erst noch! Am Abreisetag schlenderten wir nochmal durch unser Lieblingskaufhaus und trafen in der Herrenabteilung den netten Verkäufer vom letzten Jahr wieder. Dieser präsentierte uns die Jeans des Jahres, eine Hose an die beim Kauf die Initialen des Käufers angbracht werden und das Highlight dieser Hose - sie duftet!!!! Dieser Duft soll bis zu 30 Waschgängen erhalten bleiben!!! Mir stockter der Atem nicht nur wegen der wirklich aufdringlichen (nicht mal nach Mann) duftenden Hose, sondern auch bei dem Gedanken, welche Chemikalien dies überhaupt möglich machen?!

 

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Der Verkäufer erzählte uns wie beliebt dieses Produkt ist und der Absatz riesengroß. Wer mich kennt, kann sich sicherlich denken, dass ich sofort in der Tasche nach einer Visitenkarte griff, sie ihm überreichte und ihm voller Inbrunst erklären musste, was Menschen sich womöglich mit solch einem Stück Stoff antun könnten. Er bekam von mir ein Mini-Basisseminar und ich bemerkte wie er zunehmend interessierter, aber auch ruhiger wurde. Plötzlich sagte er:"Wie soll ich diese Jeans nun noch ruhigen Gewissens verkaufen?"  Diese Frage konnte ich ihm leider nicht beantworten....

Mein Mann und ich haben dieses Wochenende dann mit dem wunderbaren Duft und Genuss Thüringer Rostbratwürste beschlossen.

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Ätherische Öle bei demenziell Erkrankten - Facharbeitsauszug von Liane Hehl

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Heute darf ich Euch die dritte Facharbeit vorstellen. Diese wurde von Liane bei mir abgegeben.
Liane kenne ich schon aus den Anfangsjahren meiner Dozententätigkeit, also schon viele Jahre. Sie hat eines meiner ersten Seminare beim DRK-Landesverband, für den ich seit 10 Jahren die Aromapflegeseminare gebe, teilgenommen.

Liane arbeitet in einer Pflegeeinrichtung im Westerwald als Bereichsleitung in der sozialen Betreuung.



"Der Wohnbereich III ist im Jahr 2005  im Rahmen eines Projektes des medizinischen Dienstes der Krankenkassen in Alzey (MDK) mit dem Titel „Verbesserung und Optimierung von demenzkranken Menschen in stationären Einrichtungen“ in eine segregative Demenzgruppe umfunktioniert worden. Dieses Projekt lief zweieinhalb Jahre und wurde ohne finanzielle Unterstützung aber mit Lernmodulen und bei Besuchen des MDK in unserer Einrichtung durchgeführten Testverfahren, z.B. DCM, Demenzdiagnostiktest begleitet.
Der Wohnbereich bietet Platz für 18 dementiell erkrankte Menschen. Hier wird besonderes Augenmerk auf die ganzheitliche Begleitung der hier lebenden Menschen gelegt. Es wurde ein besonderes Konzept erarbeitet, nach dem überwiegend gearbeitet wird. 

..... Ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich diesen Beruf sehr gerne ausübe. Er erfüllt mich und gibt mir viel. Wenn ich meinen „Alten“ in ihre Gesichter schaue, ihre runzli­gen Hände anfasse, bekomme ich oft das wohlige Gefühl, „zuhause zu sein“.
Die Umstände sind leider oft schwierig und sorgen dafür, dass man nicht immer zu­frieden ist, mit dem, was man gemacht hat.

Liane hat in einem Teil Ihrer Facharbeit eine tolle Duftreise für eine schwerst erkrankte Bewohnerin beschrieben:


Das erste wirklich prägnante Erlebnis hatte ich mit einer Bewohnerin, Frau G., im Juli 2008.

Frau G. lebte schon seit fünf Jahren in unserer Einrichtung. Sie litt an einer schweren Demenz.
Wir beurteilten die dementielle Veränderung auf einer Skala von 1 bis 7. Frau G. war bei 6-7 einzustufen, also einer schweren Demenz, die dann auch starke Aus–wirkungen auf das Essverhalten hat. Dies war auch bei Frau G. der Fall. Das Es–sen wurde zu einem großen Problem. Frau G. nahm extrem ab, wollte nicht mehr aufstehen, der Körper zog sich im Bett immer mehr zusammen und nahm immer stärker die sog. „Embryonalhaltung“ an.
Für die Pflegekräfte wurde es fast unmöglich an Frau G. „heran zu kommen“. Alle pflegerischen Tätigkeiten wurden zu einem Kraftakt.
Waschen, windeln, Essen anreichen, lagern, alles artete in Stress aus. Ganz zu schweigen davon, wie sich Frau G. gefühlt haben muss. Sie gab Töne von sich, wenn man sich ihr auch nur anzunähern versuchte oder versuchte sie aus ihrer Haltung heraus zu holen, dass man dachte, man bringt sie um. Die Schreie waren im ganzen Haus zu hören. Einige Pflegekräfte waren diesen Umständen nicht mehr gewachsen und baten darum, nicht mehr zu Frau G. gehen zu müssen.
Viele Tränen flossen, die Verzweiflung war groß.

Zu dieser Zeit, im Februar 2006, hatte ich mein „Basisseminar “ und im September 2006 mein Aufbauseminar absolviert.

Frau G. kam mit einer schon erheblichen Demenz in unsere Einrichtung. Sie hatte keine lebenden Angehörigen, nur eine gesetzliche Betreuerin, die nicht viel von Frau G.s Leben wusste. So war es sehr schwierig, eine Biografie zu erstellen. Wir erkundigten uns beim Hausarzt, der zum Glück einige in unserer Einrichtung le­benden Menschen seit langem betreute. Er konnte einige wichtige Informationen geben, ohne seine Schweigepflicht zu verletzen. Er bestätigte, was wir schon he­rausgefunden hatten: Frau G. war sehr gläubig und das Gebet und kirchliche Lie­der waren immer ein guter Schlüssel zu ihr. Wir fanden auch ohne vollständige Biografie einen guten Zugang zu Frau G.. Sie war mehr als 3 ½ Jahre sehr gut in die Gemeinschaft der Bewohner integriert, kam regelmäßig zur Gymnastik und nahm auch an vielen Veranstaltungen teil, obwohl das nicht immer einfach war, da sie durch ständiges Dazwischenreden und Beten störte und somit den Mitbe­wohner/innen eine hohe Akzeptanz abverlangte, was aber relativ gut funktio­nierte.
Nachdem die Krankheit gut 3 ½ Jahre mehr oder weniger stagnierte, verschlech–terte ihr Zustand sich zusehends. Die körperlichen Symptome waren jetzt auch stärker ausgeprägt. Frau G. saß schon immer überwiegend im Rollstuhl – eine Oberschenkelhalsfraktur, nach der sie nie wieder alleine laufen konnte, war dafür verantwortlich. Jetzt kam hinzu, dass es aufgrund ihrer körperlichen Konstitution, insbesondere des schlechten Zustands ihres Kreislaufs, oft nicht möglich war, sie den ganzen Tag zu mobilisieren. Oft bewegte sie sich gar nicht mehr im Rollstuhl und schlief die überwiegende Zeit, was dazu führte, dass das Gesäß nach der Mobilisation stark gerötet war und das Dekubitusrisiko stieg. Die gesamte Kör–perhaltung verschlechterte sich: Der Kopf hing herunter, Nacken und Rücken krümmten sich, es bestand die Gefahr einer Kontraktur.

Das Anreichen des Essens, besonders im Demenzbereich, gehört zu meinen täg­lichen Aufgaben und wurde zu diesem Zeitpunkt zu einem großen Problem: Nach einem Löffel nahm Frau G. immer wieder den Kopf herunter und stützte ihn in ihre Hände. Damit fing das Zusammenziehen an und wurde auch zu einem techni­schen Problem. Nach jedem Löffel musste Frau G. aufgefordert werden, den Kopf hochzuheben. Dieses Problem entstand täglich sechs- bis siebenmal, ebenso beim Trinken. Zu diesem Zeitpunkt fing es auch an, dass Frau G. sich im Bett am liebsten auf die linke Seite drehte und sich immer mehr zusammenzog.
Frau G. war eine Bewohnerin, die bis zu diesem Zeitpunkt sehr gern Körperkontakt hatte. Sie genoss es immer, angefasst und in den Arm genommen zu werden, was die ganzheitliche Betreuung erleichterte.
Im Rahmen der Einzelbetreuung war Frau G. schon immer eine Bewohnerin, bei der ich regelmäßig mit ätherischen Ölen gearbeitet hatte und die das auch immer sehr genießen konnte.

In der Einzelbetreuung der Bewohner gehen wir auf die Bedürfnisse der Men­schen ein und machen unterschiedliche Angebote, hierzu gehört auch das sog. „Snoezelen“. Snoezelen kommt aus dem Niederländischen und bedeutet „snüf­felen und döselen“ (schnüffeln und dösen) und ist gerade für demenzkranke Be­wohner eine wundervolle Art der Stimulation und Entspannung. In unserem Haus gibt es im Wohnbereich III einen Snoezelraum mit einem zwei x zwei Meter gro­ßen Wasserbett und verschiedenen Möglichkeiten zur Stimulation der Wahrneh­mungsbereiche, z. B. Licht, Musik, Farben und Düfte.
Das Snoezeln gehörte bei Frau G., wie bei vielen anderen Demenzkranken, zum festen Bestandteil der Einzelbetreuung.

Für Bewohner/innen, die den Snoezelraum nicht aufsuchen konnten, baute unser Hausmeister auf meine Veranlassung einen mobilen Snoezelwagen.
 
Snoezelwagen selbst gebaut
So konnte auch Frau G., für die es im letzten Jahr nicht mehr möglich war, ohne Angst in das Wasserbett gelegt zu werden (jedes Lagern machte ihr Angst), mit dem mobilen Snoezelwagen zweimal wöchentlich, in der akuten Phase sogar täglich, in ihrem Zimmer von mir betreut werden.
An Rundbögen waren zarte, bunte Chiffontücher angebracht. Diese beduftete ich mit einem Hauch Neroli- Öl (1 Tr. auf ein Tuch und 2 Sprüher Orangenblüten–wasser). ( Diese Idee brachte ich aus meinem Basisseminar mit. Dort wurde die Geschichte der Düfte behandelt und es hieß, Cleopatra habe die Segel ihres Schiffs in Neroli-Öl getaucht, um Mark Antonius zu betören. Der Duft sollte durch die Luft seine Liebe zu ihr wecken.) Ich erzählte Frau G. diese Geschichte und sie lächelte liebe- und verständnisvoll. Sie genoss es offensichtlich, diesen Duft zu riechen.
Der Einsatz des Neroli-Öls wirkte in Frau G.s Fall, wie beabsichtigt, Angst min­dernd und Vertrauen schaffend.
Ich betreute Frau G. zweimal wöchentlich, in der akuten Phase nahezu täglich.

Ich nahm den Snoezelwagen mit in ihr Zimmer, schloss die Wassersäule und den Projektor an, beduftete das Tuch, somit den Raum, mit Neroli-Öl und legte eine Kassette mit Entspannungsmusik ein. Einmal wöchentlich las ich ihr die Ge–schichte vom „Duft der Orangen“ vor und wir unternahmen eine Duftreise.

Die Duftreise spielte sich wie folgt ab:
 
Liane bei der Vorstellung ihrer Facharbeit
Zur Vorbereitung brachte ich zwei lange Stillkissen mit, die Frau G.s Lagerung erleichtern sollten. Zur Begleitung unserer Phantasiereise benutzte ich die Aro­malampe in Orange (Primavera) mit 1 Tr. Neroli-Öl. Frau G.s Zimmer war ca. 20 qm groß. Die Lampe machte ich schon zu Beginn meiner Vorbereitungen an, da­mit das Wasser sich erwärmen und der Duft sich langsam entfalten konnte.
Frau G. bereitete ich auf unsere Reise vor. Sie kannte den „Platz auf dem Hügel“. Die Reise dorthin hatten wir schon häufig gemacht.
 
sorgfältige Lagerung und Körperkontakt sind wichtig

Ich sprach Frau G. an und sagte:

„Frau G., haben Sie ein wenig Zeit für mich? Haben Sie Lust auf einen Spazier­gang, eine kleine Reise?“

Frau G. lächelte und sagte klar und deutlich: „Gerne“.

Frau G. lag auf der linken Körperseite – ihrer Lieblingsseite – sie hatte den Kopf und die Knie stark zusammengezogen. Ich ließ sie in der Position, stand hinter ihr und legte die Stillkissen zurecht. Ich fragte:

„Können wir losgehen?“
Frau G. antwortete: „Mmh“.

Ich sprühte einen Sprüher Orangenblütenhydrolat in die Nähe ihres Kopfes.

„Wir gehen zu unserer Sonneninsel und sehen dort einen großen Orangenhain. Wir laufen unter den Orangenbäumen. Zwischen den grünen, wie gelackten Blät–tern hängen die Orangen wie kleine Lampions. Dazwischen blühen unzählige weiße Blüten, die einen süßen Duft verströmen.“

Ich gab 1 Tr. Ylang Ylang auf eine von mir gefilzte weiße Blüte und verwedelte mehrfach den Duft oberhalb ihres Kopfes. Ich legte die Blüte oberhalb des Bettes ab, so dass sie den Duft im Hintergrund noch riechen konnte.
 
die selbsthergestellten Filzblüten werden beduftet
„Unter den duftenden Bäumen läufst Du zu einem kleinen Hügel. Dort angekom–men, genießt Du die weite Sicht. Dein Blick ist grenzenlos, und diese Weite fühlst Du auch in dir.“



Ich fing an, Frau G. zu berühren, ganz sanft über der Bettdecke. Sie tolerierte die Berührung. Ich streichelte ihr über den rechten Arm, weiter über ihre Hüfte, Be­cken, Oberschenkel, Knie, Wade bis hin zu den Füßen (rechts und links), dort hielt ich mich auf, denn wir gingen ja. Dann begann ich, ihre Füße über der Bett­decke zu massieren und die Fußsohlen zu stimulieren. Langsam ging ich wieder in derselben Reihenfolge zurück zum Kopf.

„Von fern schimmert azurblau das Meer. Die Sonne scheint. Du fühlst ihre ange­nehme Wärme.“

Ich gab 1 Tr. Orange und 1 Tr. Benzoe auf eine gelbe Filzblüte. Der Duft wurde mit der ölgetränkten Blüte oberhalb des Kopfes gewedelt.

„Ein sanfter Wind weht über deine Stirn.“
Mit den ölgetränkten Blüten wedele ich wiederum oberhalb des Kopfes.

„Du sitzt unter einem Orangenbaum und lehnst dich an seinen Stamm. Du fühlst mit dem Rücken die Rinde des Stammes.“

Ich fing an, Frau G.s Rücken zu massieren, ging unter die Bettdecke, erst über dem Nachthemd, dann darunter. Ich benutzte dabei eine Mischung aus 10 ml Jo­hanniskrautöl und 1Tr. Sandelholz(Santalum album)
Frau G. entspannte sich unter der leichten Massage des Rückens völlig.

„Wir spüren die warme Rinde.“

Langsam konnte ich beginnen, Frau G. in die Rückenlage zu bringen. Meine rechte Hand behielt den Kontakt zum Rücken, mit der linken drehte ich Frau G. sanft und ohne Gewalt in die Rückenlage. Nun zog ich langsam meine rechte Hand heraus und holte die Stillkissen, die ich zuvor auf der Heizung angewärmt hatte und lagerte sie rechts und links von Frau G. . Frau G. lag entspannt mit ge­schlossenen Augen auf dem Rücken. Ihr Kopf war leicht nach links gebeugt, aber locker. Die Beine waren angewinkelt. Mit einem ebenfalls angewärmten Lage­rungskissen stützte ich ihre Beine.

„In der Krone eines Baumes sitzt ein Vogel und singt ein zauberhaftes Sommer–lied.“

Ich pfiff leise.

„Du genießt die Ruhe, bist still und friedlich. Unter dem Baum liegen reife Oran–gen. Du nimmst eine in deine Hände, fühlst ihre Schale, riechst ihren Duft.“

Ich legte einen orangefarbenen Filzball in Frau G.s Hände. Sie nahm ihn an, hielt ihn fest und befühlte ihn.
 
ein selbstgefilzter Ball, den die Bew. selbst festhalten kann
„Du brichst die Orange auf und kostest die reife, süße Frucht.“

Für Duftreisen, aber auch für die Sterbebegleitung nutze ich eine besondere Technik. Toffifee- Packungen sind von Größe und Form her gut geeignet, alle möglichen Säfte, Cola oder auch etwas Deftiges einzufrieren. Diesen gefrorenen „Bonbon“ kann man dann in eine Mullkompresse geben und in eine Wangentasche legen. Die Mullkompresse verhindert das unmittelbare Ver­schlucken, indem man die Kompresse von außen festhält. Der Inhalt schmilzt  langsam, und der Geschmack ist da.
Für Frau G. hatte ich frisch gepressten Orangensaft eingefroren und den gab ich ihr jetzt.

„Kühl rinnt dir der Saft die Kehle hinab, mmh...! Durch die Äste der Bäume rauscht der Wind.“

1 Tr. Benzoe siam, 1 Tr. Ylang Ylang und 1 Tr. Orangenschalenöl waren auf die Blüten geträufelt zusammen der Wind, den ich Frau G. oberhalb des Kopfes zuwedelte.

„Du fühlst dich wohl und träumst ein wenig weiter.“

Frau G. hatte  die Augen geöffnet, den Ball hielt sie in den Händen, sie war weit weg und entspannt. Die Beine waren locker, der Kopf neigte sich nicht nach links.

„Ich bin entspannt und genieße den herrlichen Duft.“

Die Duftreise war nach ca. 25 Minuten vorbei. Wir machten sie einmal wöchent­lich.


Nach den Duftreisen war zu spüren, dass Frau G. darauf positiv reagierte. Sie wirkte und war auch tatsächlich entspannter. Die Körperspannung lockerte sich.

Des Weiteren bekam Frau G. einmal täglich 1Tr. Grapefruitschalenöl Vegaroma(Citrus pa­radisi) auf 1 l Mineralwasser.
Grapefruit wirkt u. a. anregend, aufheiternd und stimmungsaufhellend. Es schmeckt in Wasser gemischt sehr gut und erfrischend. Vor einer Mahlzeit weckt Grapefruitschalenöl den Appetit und schafft gute Laune beim Essen (auch in der Duftlampe anwendbar).

Im Juli 2008 verschlechterte sich Frau G.s Zustand nochmals. Essen war kaum noch möglich. Das Legen einer PEG-Sonde stand schon im Raum. Die gesetzli­che Betreuerin war mehrmals zum Gespräch da. Wir hatten eine gute Beziehung und konnten uns gut unterhalten. Ich schlug vor, mit der Sonde noch etwas zu warten. Ich hatte das Gefühl, auf anderem Wege noch etwas bewirken und Frau G.s Leben noch etwas lebenswerter erhalten zu können.

Am 24.06.2008 hatte ich ein längeres Telefonat mit meiner Aromaexpertin. Wir hatten wegen Frau G. vorab schon zweimal telefoniert. Sie schickte mir ein Fax mit einem Rezept:

50 ml Basisöl, 3 Tr. Grapefruit, 2 Tr. Mandarine, 3 Tr. Tonka
(Körperöl, Appetit fördernd, auch zur Armmassage)

Täglich wurden 3 Tr. dieser Mischung in die Duftlampe gegeben. Es wurde ein Plan erstellt, was wann angewendet werden sollte.

Außerdem fand ein Gespräch mit den Pflegekräften statt und es wurde verein–bart, dass sie 1Tr. Bergamotte auf ihre Kittelkragen aufträufeln sollten.


Zusammenfassung der bei Frau G. angewandten Rezepturen

  1. Besinnliche Bibelstunde (ab 2006 1 x wöchentlich bis Mai 2008)
2 Tr. Weihrauch (Boswellia sacra)                                               Duftlampe
1 Tr. Rose türkisch 10%                                                              3 Tr. auf 20 qm
1 Tr. Bergamotte (Citrus aurantium ssp. bergamia)

Überlegung:
Weihrauch wirkt nervenstärkend, beruhigend, antidepressiv.
Biografieorientiert: Kirche = Erinnerung
Rosenöle sind etwas besonderes,sie sind mit schätzungsweise 400-500 Inhaltsstoffen,es ist bis heute noch nicht gelungen alle Inhaltsstoffe zu identifizieren bzw. zu benennen, in der Lage sich den augenblicklichen Bedürfnissen des Menschen anzupassen,bist du erschöpft regt sie an,bist du nervös beruhigt man sich.
Bergamotte gilt als Öl zum Glücklichsein, ist ein starkes Antidepressivum und wirkt angstmildernd.

  1. Dekubitusprophylaxeöl (ab 2006)                                                       
50 ml Olivenöl                                                                               -
15 Tr. Lavendel extra (Lavandula angustifolia/vera)

Einreiben von geröteten, gefährdeten Hautstellen



Überlegung:
Lavendel extra wirkt epithelisierend, antimykotisch, zellregenerierend, rundum heilend besonders bei Rötung, gute Verträglichkeit.

  1. „Schutzöl“ Personal           (ab Juni 2008)                                          Kittel o. ä., nicht
1 Tr. Bergamotte (Citrus aurantium ssp. bergamia)                         auf die Haut, evtl.
                                                                                                         Mullläppchen oder
                                                                                                         Taschentuch

Überlegung:
Bergamotte wirkt beruhigend, krampflösend, aufbauend und psychisch aus­gleichend, Angst mindernd bzw. lösend.

  1. Appetitmangel (tgl. ab Juni 2008)
Tgl. 1 Tr. Grapefruit (Citrus paradisi)                                        auf 1l Mineral-
                                                                                                 Wasser zum Trinken
                                                                                                        

Überlegung:
Grapefruit wirkt vor allem appetitanregend

  1. Körperöl „Appetit fördernd“ (Armmassage 2 x tgl., Duftlampe 1 x tgl. ½ Stunde vor der Essenszeit ab Juli 2008)
50 ml Basisöl
3 Tr. Grapefruit
2 Tr. Mandarine rot
3 Tr. Tonkaextrakt 

ohne Basisöl auch für die Duftlampe geeignet



Überlegung:
Grapefruit wirkt appetitanregend,
Mandarine regt den Gallenfluss an, durch den Anteil von Anthranilsäure- Ester ist es sehr entspannend und muskellockernd, mindert nervöse Anspannung, bewirkt gute Stimmung, macht heiter und fröhlich.
Tonka hat einen süßen, marzipanähnlichen warmen weichen Duft der dem des Vanilleöls ähnelt, hüllt ein macht warm um Herz und Ge­müt.

  1. Körperöl „stärkend“ (fast tgl., wöchentl. Rücken, Bauch, Arme, Beine))
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50 ml Basisöl (Johanniskraut – Mazerat – Rotöl – Hypericum perforatum)
3 Tr. Zeder (Zedrus atlantica)
2 Tr. Angelikawurzel (Angelica archangelica)
3 Tr. Melisse (Melissa officinalis)
2 Tr. Grapefruit (Citrus paradisi)









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