Cananga odorata – Ylang-Ylang reduziert Angstzustände bei unerfahrenen Patienten

Cananga odorata – Ylang-Ylang reduziert Angstzustände bei unerfahrenen Patienten

– Menschen vor ihrem ersten interventionellen neuroradiologischen Eingriff helfen kann, weniger Angst und Stress zu empfinden.
Cananga odorata – Ylang-Ylang reduziert Angstzustände bei unerfahrenen Patienten

Was wurde untersucht?

An der Studie nahmen 44 Patientinnen und Patienten teil, die einen solchen Eingriff zum ersten Mal erleben sollten. Das ist wichtig, denn gerade unbekannte medizinische Untersuchungen können verständlicherweise Anspannung und Angst auslösen.

Die Teilnehmenden wurden zufällig auf zwei Gruppen verteilt:

  • Eine Gruppe bekam ätherisches Ylang-Ylang-Öl (Cananga odorata).
  • Die Kontrollgruppe bekam destilliertes Wasser.

Die jeweilige Flüssigkeit wurde auf zwei Stückchen Maulbeerpapier gegeben. Diese wurden über Nacht ungefähr auf Schulterhöhe am Patientenkittel befestigt. Die Teilnehmenden waren dem Duft also nicht nur für ein paar Minuten, sondern über einen längeren Zeitraum ausgesetzt.

Wie wurde Stress gemessen?

Die Forschenden wollten sich nicht allein darauf verlassen, wie die Menschen ihre Angst beschrieben. Deshalb betrachteten sie zusätzlich körperliche Stressmarker.

Besonders interessant war die Alpha-Amylase im Speichel. Dieses Enzym kennen wir eigentlich aus der Verdauung. Seine Aktivität im Speichel verändert sich aber auch im Zusammenhang mit der Aktivierung des sympathischen Nervensystems – vereinfacht gesagt also mit unserem körperlichen „Alarm- und Aktivierungssystem“.

Außerdem wurden Cortisol im Speichel, Blutdruck und Herzfrequenz bestimmt.

Die persönliche Angst wurde mit einem standardisierten Fragebogen, dem State-Trait Anxiety Inventory (STAI), erfasst. Dabei wird vereinfacht zwischen der momentanen Angst bzw. Anspannung und einer eher allgemeinen Neigung zu Ängstlichkeit unterschieden.

Was kam dabei heraus?

Das interessanteste Ergebnis war: Nach der Anwendung war die Alpha-Amylase-Aktivität im Speichel in der Ylang-Ylang-Gruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe.

Auch die Angstwerte gingen zurück. Allerdings ist hier eine wichtige Feinheit zu beachten: Die Angst nahm in beiden Gruppen ab. Man kann also nicht einfach sagen: „Ylang-Ylang hat die Angst verschwinden lassen.“

Bei einem der untersuchten Angstwerte zeigte sich jedoch in der Ylang-Ylang-Gruppe eine stärkere prozentuale Abnahme als in der Kontrollgruppe.

Bei anderen Messgrößen – unter anderem Cortisol, Blutdruck und Herzfrequenz – fanden die Forschenden dagegen keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen.

Das ist wissenschaftlich wichtig: Die Ergebnisse zeigen kein einheitliches „Entspannungssignal“ in allen gemessenen Parametern.

Was bedeutet „signifikant“ überhaupt?

„Statistisch signifikant“ bedeutet zunächst einmal, dass ein beobachteter Unterschied nach den verwendeten statistischen Verfahren wahrscheinlich nicht einfach durch Zufall entstanden ist.

Es bedeutet aber nicht automatisch, dass der Effekt groß ist oder für jeden Menschen spürbar sein muss. Genau diese Unterscheidung geht bei der Besprechung von Aromatherapie-Studien manchmal verloren.

Was dürfen wir aus dieser Studie ableiten?

Die Studie liefert einen interessanten Hinweis darauf, dass die inhalative Anwendung von Ylang-Ylang bei Menschen in einer akut belastenden medizinischen Situation die Stress- bzw. Angstreaktion unterstützen könnte.

Ich würde daraus aber nicht formulieren:

„Ylang-Ylang wirkt nachweislich gegen Angst.“

Dafür ist die Studie zu klein und die Ergebnisse sind nicht eindeutig genug.

Passender wäre:

„Eine kleine randomisierte kontrollierte Studie mit 44 Patientinnen und Patienten deutet darauf hin, dass die inhalative Anwendung von Ylang-Ylang vor einem erstmaligen neuroradiologischen Eingriff bestimmte Stressparameter und Aspekte der empfundenen Angst reduzieren kann.“

Ein wichtiger Haken bei der „Placebogruppe“

Bei Duftstudien gibt es außerdem ein grundsätzliches Problem: Destilliertes Wasser riecht nicht nach Ylang-Ylang. Wer einen deutlichen Duft wahrnimmt, kann deshalb möglicherweise erkennen oder zumindest vermuten, dass er die eigentliche Aromatherapie erhält.

Damit ist eine wirklich überzeugende Verblindung schwieriger als beispielsweise bei zwei äußerlich identischen Tabletten. Erwartung, persönliche Dufterfahrung und die individuelle Bewertung des Geruchs können das Ergebnis mitbeeinflussen.

Gerade beim Riechen ist das relevant: Düfte werden sehr schnell verarbeitet und sind eng mit emotionalen und erinnerungsbezogenen Hirnregionen verschaltet. Gleichzeitig ist Geruchswahrnehmung ausgesprochen individuell. Deshalb gilt in der praktischen Aromapflege weiterhin: Die Nase der betroffenen Person zählt. Ein als unangenehm empfundener Duft sollte nicht allein deshalb eingesetzt werden, weil eine Studie einen möglichen Effekt gezeigt hat. Dieser Grundsatz findet sich auch in euren Materialien zur Aromatherapie für Kopf und Seele.

Unterm Strich: Die Studie ist ein schönes kleines Puzzleteil für die Aromapflege. Sie liefert Hinweise auf eine mögliche angst- und stressreduzierende Unterstützung durch Ylang-Ylang, ist aber kein Beweis dafür, dass Ylang-Ylang generell Angststörungen behandelt. Untersucht wurde eine sehr konkrete Situation: 44 Menschen vor ihrem ersten interventionellen neuroradiologischen Eingriff.

Entspannung mit Ylang Ylang
Grundmischung „Entspannung“

Ylang-Ylang ist ein intensiver, schwerer Blütenduft, der pur oder sehr dominant eingesetzt von vielen Menschen schnell als zu üppig oder sogar unangenehm empfunden wird. Deshalb haben wir ihn in dieser Grundmischung bewusst mit ausgewählten Düften kombiniert.

Die spritzigen Noten von Blutorange und Grapefruit schenken der Mischung Frische und Leichtigkeit. Petitgrain Bigarade verbindet die Zitrusnoten mit dem blumigen Ylang-Ylang, während Benzoe-Extrakt eine weiche, warme und einhüllende Note ergänzt.

So entsteht eine harmonische Duftkomposition, in der sich die beruhigenden Eigenschaften der einzelnen Düfte wunderbar ergänzen. Gleichzeitig wird der charakteristische Ylang-Ylang-Duft deutlich zugänglicher: frischer und leichter, aber auch warm und rund. Dadurch wird die Mischung erfahrungsgemäß von vielen Menschen angenehmer wahrgenommen.

Cananga odorata – Ylang-Ylang reduziert Angstzustände bei unerfahrenen Patienten

Grundmischung „Entspannung“

30 Tropfen Blutorange
20 Tropfen Grapefruit
10 Tropfen Petitgrain Bigarade
10 Tropfen Ylang-Ylang
5 Tropfen Benzoe-Extrakt

Alle ätherischen Öle in ein kleines Braunglasfläschchen geben und miteinander verschwenken.

Die Grundmischung kann anschließend ganz unterschiedlich eingesetzt werden: beispielsweise im Riechstift oder Diffuser, als Grundlage für ein Roll-on, ein Körperöl oder ein Raumspray.

Und wie immer bei der olfaktorischen Anwendung gilt: Die Nase entscheidet. Ein Duft, der entspannen soll, muss für die betreffende Person auch angenehm riechen.

Nach oben scrollen