Sanddornöl bei strahlenbeanspruchter Haut:
Was eine neue Studie so interessant macht

Eine Strahlentherapie kann für die Haut eine große Belastung sein. Je nach Behandlung und individueller Empfindlichkeit können Rötungen, Trockenheit, Spannungsgefühle oder andere Hautreaktionen auftreten. Eine gut abgestimmte begleitende Hautpflege kann deshalb für Betroffene besonders wertvoll sein.
Umso spannender ist eine Studie von Wang und Kolleg:innen, die sich mit Sanddornöl und strahlenbedingten Hautschäden beschäftigt hat. Die Ergebnisse geben interessante Hinweise darauf, warum dieses besondere Pflanzenöl für die begleitende Hautpflege künftig noch stärker in den Fokus rücken könnte.
Was wurde untersucht?
Die Forschenden wollten wissen, ob Sanddornöl die Regeneration strahlengeschädigter Haut unterstützen kann – und vor allem, was dabei im Gewebe passiert.
Dazu wurde die Untersuchung an Ratten durchgeführt, bei denen strahlenbedingte Hautschäden erzeugt wurden. Anschließend wurde die betroffene Haut zweimal täglich mit Sanddornöl behandelt.
Die Wissenschaftler:innen betrachteten dabei nicht nur, wie die Haut von außen aussah. Sie untersuchten auch das Hautgewebe, Entzündungsbotenstoffe, Vorgänge rund um die Regeneration der Blutgefäße und bestimmte Immunzellen.
Weniger Entzündung, mehr Zeichen für Regeneration
Die Ergebnisse waren interessant: Bei den mit Sanddornöl behandelten Tieren waren die strahlenbedingten Hautschäden geringer ausgeprägt.
Gleichzeitig veränderten sich verschiedene Entzündungsbotenstoffe. IL-1β und TNF-α, die an entzündlichen Vorgängen beteiligt sind, waren niedriger. IL-4 und IL-10, die unter anderem mit der Regulation von Entzündungsprozessen verbunden sind, waren dagegen erhöht.
Auch bei der Regeneration der Blutgefäße fanden die Forschenden Veränderungen. Bestimmte Faktoren, die bei Gefäßwachstum und Reparatur eine Rolle spielen – darunter VEGF und sein Rezeptor VEGFR – waren verstärkt nachweisbar.
Vereinfacht könnte man sagen: In der behandelten Haut fanden sich verschiedene Hinweise darauf, dass das Gewebe stärker von Entzündung in Richtung Reparatur und Regeneration wechselte.
Die „Aufräum- und Reparaturhelfer“ unserer Haut
Besonders interessant waren die sogenannten Makrophagen. Das sind Zellen unseres Immunsystems, die unter anderem beschädigtes Gewebe beseitigen und an Heilungs- und Reparaturvorgängen beteiligt sind.
Nach der Behandlung mit Sanddornöl fanden die Forschenden vermehrt Merkmale einer sogenannten M2-Polarisierung.
Das klingt komplizierter, als es für das Verständnis sein muss: Vereinfacht gesprochen können Makrophagen unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Manche sind stärker an entzündlichen Abwehrreaktionen beteiligt, andere stärker an der Beruhigung des Entzündungsgeschehens und an Reparaturprozessen.
Genau in diese zweite Richtung scheint Sanddornöl in dieser Untersuchung Einfluss genommen zu haben.
Und was bedeutet PI3K-Akt-ERK?
Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich ein Signalweg innerhalb unserer Zellen.
Man kann sich solche Signalwege ein wenig wie eine Reihe von Schaltern vorstellen: Wird der erste Schalter betätigt, werden weitere Signale weitergegeben und schließlich bestimmte Reaktionen in der Zelle ausgelöst.
Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass Sanddornöl den PI3K-Akt-ERK-Signalweg aktiviert. Als sie einen Teil dieses Signalwegs gezielt hemmten, wurde auch der beobachtete positive Einfluss auf die Entzündungsreaktion schwächer.
Das macht die Untersuchung besonders spannend, denn sie zeigt nicht nur dass etwas passiert ist, sondern liefert auch Hinweise darauf, wie Sanddornöl diese Prozesse beeinflussen könnte.
Was bedeutet das nun für Menschen während einer Strahlentherapie?
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Die Ergebnisse sind vielversprechend, stammen aber aus einer Tierstudie. Wir können deshalb nicht sagen: „Sanddornöl verhindert oder behandelt strahlenbedingte Hautschäden beim Menschen.“
Dafür brauchen wir entsprechende klinische Studien mit Patient:innen.
Was diese Untersuchung jedoch liefert, sind interessante wissenschaftliche Hinweise auf mögliche Mechanismen: Sanddornöl könnte Prozesse beeinflussen, die mit Entzündungsregulation, Gewebereparatur und Regeneration der Hautgefäße zusammenhängen.
Und genau das macht die Ergebnisse für die begleitende Hautpflege so interessant.
Hautpflege ist mehr als Kosmetik
Gerade während einer belastenden medizinischen Behandlung darf Hautpflege auch bedeuten: sich kümmern, pflegen und dem eigenen Körper etwas Gutes tun.
Pflanzenöle können dabei wertvolle Begleiter sein. Gleichzeitig gilt bei einer Strahlentherapie: Nicht jedes Produkt ist zu jedem Zeitpunkt und auf jeder Hautstelle geeignet.
Deshalb sollte die Pflege bestrahlter Haut immer mit dem behandelnden radioonkologischen Team abgestimmt werden. Das gilt insbesondere bei stärkeren Hautreaktionen oder offenen Hautstellen.
Die neue Sanddornöl-Studie ist für mich dennoch ein schönes Beispiel dafür, wie viel wir noch über Pflanzenöle und ihre Wechselwirkungen mit unserer Haut lernen können.
Vielleicht ist es gerade diese Verbindung aus traditioneller Pflanzenpflege und moderner Forschung, die Sanddornöl zu einem so spannenden Begleiter für die Haut macht. 🌿
Studie:
Wang Q, Cao B, Zhan J, Hu X, Yu Y, Li X, Liu Y. Sea Buckthorn Oil Promotes the PI3K-Akt-ERK Signaling Pathway and Macrophage M2 Polarization to Reduce Radiation-induced Skin Injury. Radiat Res. 2024 Nov 1;202(5):785-794.
