Sanddornöl und trockene Vaginalschleimhaut

Sanddornöl und trockene Schleimhäute – eine ermutigende Studie

Trockene und empfindliche Schleimhäute sind für viele Frauen nach den Wechseljahren ein Thema. Besonders unangenehm kann es werden, wenn die Vaginalschleimhaut betroffen ist: Trockenheit, Brennen, Juckreiz oder Schmerzen können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Sanddornöl und trockene Vaginalschleimhaut
Larmo PS, Yang B, Hyssälä J, Kallio HP, Erkkola R. Effects of sea buckthorn oil intake on vaginal atrophy in postmenopausal women: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. Maturitas. 2014 Nov;79(3):316-21. 

Sanddornöl begleitet uns in der Aromatherapie und Pflanzenölkunde schon seit vielen Jahren. Auch aus unserer eigenen, inzwischen über 20-jährigen Beobachtung kennen wir es als wertvolles Pflanzenöl zur begleitenden Pflege und Unterstützung trockener Schleimhäute. Umso interessanter ist eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Humanstudie, die genau diesen Bereich untersucht hat.

116 postmenopausale Frauen mit Beschwerden wie vaginaler Trockenheit, Brennen oder Juckreiz nahmen an der Studie teil. Über drei Monate erhielten sie entweder täglich 3 g Sanddornöl oder ein Placeboöl. 3 g entsprechen größenordnungsmäßig etwa einem halben Teelöffel Öl. Verwendet wurde allerdings nicht irgendein Sanddornöl, sondern eine standardisierte Mischung aus Sanddornbeeren- und Sanddornsamenöl.

Nach drei Monaten zeigte sich ein besonders interessantes Ergebnis: Die Integrität des Vaginalepithels hatte sich unter Sanddornöl signifikant häufiger verbessert als unter Placebo. Bei 36 % der Frauen in der Sanddorngruppe wurde eine Verbesserung festgestellt, gegenüber 16 % in der Placebogruppe.

Auch der gesamte Vaginalgesundheitsindex entwickelte sich in der Sanddorngruppe günstiger. Dieser Unterschied erreichte zwar mit p = 0,08 nicht die übliche Grenze für statistische Signifikanz, zeigt aber einen positiven Trend.

Interessant ist außerdem, wie diese Veränderungen möglicherweise zustande kommen. Die Untersuchungen ergaben keinen deutlichen Hinweis darauf, dass Sanddornöl wie Östrogen wirkt. Der vaginale pH-Wert veränderte sich nicht entsprechend, und auch bei der untersuchten Zellreifung zeigte sich kein Hinweis auf einen Östrogeneffekt.

Die Forschenden diskutieren deshalb andere mögliche Erklärungen. Sanddornöl liefert eine besondere Kombination verschiedener Fettsäuren sowie Carotinoide, Vitamin E und Phytosterine. Diese Stoffe könnten gemeinsam zur Unterstützung der Epithelbarriere und Schleimhautintegrität beitragen. Welcher Bestandteil dafür entscheidend ist oder wie genau der Effekt zustande kommt, konnte diese Studie allerdings nicht klären.

Und hier wird die Untersuchung für uns besonders spannend: Sie passt sehr gut zu dem, was wir seit vielen Jahren in der Praxis rund um Sanddornöl und Schleimhautpflege beobachten.

Das bedeutet nicht, dass unsere Erfahrungen durch eine einzelne Studie wissenschaftlich „bewiesen“ wären. Aber wir sehen hier etwas, das in der evidenzorientierten Aromatherapie besonders wertvoll ist: Eine langjährige praktische Beobachtung trifft auf Ergebnisse einer kontrollierten Humanstudie, die in dieselbe Richtung weisen.

Dabei sollten wir auch sagen, was die Studie nicht zeigen konnte. Die Frauen berichteten unter Sanddornöl nicht signifikant häufiger über eine Verbesserung von Trockenheit, Brennen oder Juckreiz als unter Placebo. Auch die gemessene vaginale Feuchtigkeit und der pH-Wert unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen.

Das schmälert den interessanten Befund an der Schleimhaut nicht – es hilft vielmehr, ihn richtig einzuordnen: Sanddornöl war in dieser Studie kein „Sofortmittel gegen vaginale Trockenheit“. Die Ergebnisse geben vielmehr einen interessanten Hinweis darauf, dass die regelmäßige Einnahme die Beschaffenheit und Integrität der Vaginalschleimhaut unterstützen könnte.

Und Schleimhäute haben wir schließlich nicht nur im Intimbereich. Auch Mund, Nase, Augen und Verdauungstrakt besitzen empfindliche Schleimhautoberflächen. Dass Sanddornöl deshalb traditionell und praktisch auch im Zusammenhang mit trockenen Schleimhäuten anderer Bereiche verwendet wird, ist interessant. Diese konkrete Studie untersuchte jedoch die Vaginalschleimhaut – eine Wirkung auf sämtliche anderen Schleimhäute kann aus ihr allein nicht abgeleitet werden.

Ein Lebensmittel, das sich unkompliziert in den Alltag integrieren lässt

Ein schöner Aspekt ist außerdem: Sanddornöl ist ein Lebensmittel und kein Arzneimittel. Ein für den Verzehr vorgesehenes Sanddornfruchtfleisch- oder Sanddornsamenöl lässt sich deshalb grundsätzlich unkompliziert in die tägliche Ernährung integrieren – beispielsweise pur oder als Bestandteil einer Mahlzeit.

Die in der Studie verwendete Tagesmenge von 3 g ist dabei überschaubar und entspricht ungefähr einem halben Teelöffel. Wichtig für die wissenschaftliche Einordnung bleibt allerdings: In der Untersuchung wurde eine genau definierte, standardisierte Mischung aus Sanddornbeeren- und Sanddornsamenöl eingesetzt. Wir können daher nicht davon ausgehen, dass jedes beliebige Sanddornöl automatisch dieselben Ergebnisse erzielt.

Gerade diese Alltagstauglichkeit macht Sanddornöl aus unserer Sicht so interessant: Es lässt sich als hochwertiges Pflanzenöl in die Ernährung einbinden, während wir gleichzeitig zunehmend wissenschaftliche Hinweise erhalten, die zu unseren langjährigen Beobachtungen im Bereich der Schleimhautpflege passen.

Für uns ist die Untersuchung deshalb vor allem ermutigend. Sie liefert einen klinischen Hinweis dafür, dass die Einnahme von Sanddornöl eine interessante Möglichkeit sein kann, die Schleimhautintegrität bei Frauen nach den Wechseljahren begleitend zu unterstützen.

Und sie erinnert uns daran, Erfahrungswissen nicht vorschnell gegen Wissenschaft auszuspielen. Manchmal beginnt Forschung genau dort, wo Menschen über viele Jahre etwas beobachten – und irgendwann genauer wissen möchten, was tatsächlich dahintersteckt.

Nach über 20 Jahren Erfahrung mit Sanddornöl und Schleimhautpflege freut uns diese Studie deshalb besonders: Sie beweist nicht alles, was wir in der Praxis beobachten. Aber sie liefert ein bemerkenswertes wissenschaftliches Puzzleteil, das sehr gut zu unseren Erfahrungen passt.

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