Der „Fremdling“ aus der Flasche – was ätherische Öle im Körper sind

Natürlich – aber fremd: Was ätherische Öle im Körper wirklich sind
Der "Fremdling" aus der Flasche - was ätherische Öle im Körper sind

In den letzten Jahren beobachten wir eine deutliche Entwicklung:

Immer mehr Menschen wenden sich natürlichen Produkten zu – sei es in der Ernährung, in der Kosmetik oder in der Gesundheitsvorsorge.

Auch ätherische Öle erleben einen regelrechten Boom.

Sie stammen aus Pflanzen, duften angenehm und werden mit vielfältigen Wirkungen in Verbindung gebracht.

Und genau hier entsteht ein weit verbreiteter Gedanke:

Wenn etwas natürlich ist, kann es doch nicht schaden – oder?

Diese Annahme lohnt sich genauer anzuschauen.


Ätherische Öle sind keine Nährstoffe

Ätherische Öle enthalten keine Nährstoffe.

Sie liefern weder:

  • Proteine (Baustoffe für unseren Körper)

  • noch Kohlenhydrate oder Fette (Energiequellen)

Stattdessen bestehen sie aus einer Vielzahl hochaktiver Duftmoleküle.

Und genau deshalb behandelt unser Körper sie anders, als viele vermuten.


Xenobiotika – „Fremdstoffe“ für den Körper

Die Inhaltsstoffe ätherischer Öle werden im Körper als sogenannte Xenobiotika eingeordnet.

Der Begriff stammt aus dem Griechischen:

  • xenos = fremd

  • bios = Leben

Xenobiotikum bedeutet also: „fremd für das Leben“

Gemeint sind damit Stoffe, die nicht natürlicherweise im Körper vorkommen und deshalb als „fremd“ erkannt werden.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Medikamente

  • Umweltstoffe (z. B. Pestizide, Weichmacher, Feinstaub)

  • Zusatzstoffe

  • und eben auch die Inhaltsstoffe ätherischer Öle

Wichtig:

Das bedeutet nicht, dass diese Stoffe grundsätzlich „schlecht“ sind.

Aber der Körper muss sich aktiv mit ihnen auseinandersetzen. Sein Ziel ist es, sie möglichst schnell abzubauen und wieder auszuscheiden.


Hochkonzentriert – das unterschätzte Risiko

Ätherische Öle sind zwar natürlichen Ursprungs – aber sie sind extrem konzentriert.

Für ein kleines Fläschchen Öl werden oft große Mengen Pflanzenmaterial benötigt.

  • Für 1 Liter Zitronenöl braucht man etwa 200 kg Zitronenschalen (mehrere tausend Früchte).

  • Für 1 Liter Melissenöl sogar bis zu 7 Tonnen Pflanzenmaterial.

Das zeigt sehr deutlich: Ein Tropfen ätherisches Öl ist kein bisschen Pflanze – sondern extreme Konzentration.

Das Ergebnis ist eine hochkomplexe Mischung aus chemischen Verbindungen in konzentrierter Form.

Das ist ein entscheidender Unterschied zur Pflanze selbst.


Was passiert bei der Einnahme?

Wenn ätherische Öle geschluckt werden, gelangen ihre Inhaltsstoffe über den Magen-Darm-Trakt in den Körper und anschließend zur Leber.

Dort passiert etwas Entscheidendes:

👉 der sogenannte First-Pass-Effekt

Das bedeutet:

Die Leber baut einen großen Teil der Stoffe direkt ab, bevor sie überhaupt im restlichen Körper wirken können.

Für die Leber bedeutet das:

zusätzliche Arbeit.

Denn sie muss eine Vielzahl von Fremdstoffen verarbeiten – oft gleichzeitig.


Wechselwirkungen mit Medikamenten

Ein besonders wichtiger Punkt wird oft übersehen:

Wenn ätherische Öle eingenommen werden, gelangen ihre Inhaltsstoffe in relativ hoher Konzentration ins Blut.

Dort können sie mit Medikamenten interagieren.

Das kann zwei Folgen haben:

• Die Wirkung eines Medikaments wird verstärkt

→ im schlimmsten Fall bis zur Überdosierung

• Die Wirkung wird abgeschwächt

→ das Medikament wirkt nicht mehr richtig

Solche Wechselwirkungen sind sogar mit häufig verwendeten Medikamenten wie Aspirin möglich.

Das Risiko ist bei der oralen Einnahme deutlich höher als bei Inhalation oder äußerlicher Anwendung.

Der "Fremdling" aus der Flasche - was ätherische Öle im Körper sind
Ein entscheidender Unterschied: Anwendung ist nicht gleich Anwendung

Ätherische Öle können auf verschiedene Weise genutzt werden:

🌿 Inhalation

🌿 äußerliche Anwendung

🌿 innerliche Einnahme

Doch diese Wege sind nicht gleichwertig.

Die Einnahme ist die intensivste und risikoreichste Anwendung, weil:

  • die Konzentration im Blut höher ist

  • die Leber stärker belastet wird

  • und Wechselwirkungen möglich sind


Aromatherapie braucht Wissen

Ätherische Öle sind faszinierend.

Sie sind komplex, wirksam und können – richtig eingesetzt – eine wertvolle Unterstützung sein.

Aber sie sind eben keine harmlosen Wellnessprodukte.

Sie sind hochkonzentrierte, bioaktive Substanzen

Und genau deshalb gilt:

Die innere Einnahme ätherischer Öle gehört in fachkundige Hände.


Fazit

Der Gedanke „natürlich = harmlos“ greift zu kurz.

Ätherische Öle sind:

  • keine Nährstoffe

  • keine Energiequelle

  • sondern biochemisch aktive Fremdstoffe

Unser Körper geht sehr bewusst mit ihnen um –

und genau das sollten wir auch tun.

Denn:

Aromatherapie wirkt – und genau deshalb braucht sie Respekt, Wissen und Verantwortung. 🌿

 

Wichtig: Ich bin keine Wissenschaftlerin – aber eine Wissenschafferin. Ich liebe es, Wissen zu sammeln, es greifbar zu machen und mit anderen zu teilen. Dieser Artikel ersetzt weder deinen Arzt/Ärztin, Therapeut*in noch deine Eigenverantwortung und ist in keinster Weise als Therapie gedacht. Er soll informieren, inspirieren und dein Bewusstsein zu schärfen.

Mir ist bewusst, dass ich keinen Anspruch auf absolute wissenschaftliche Korrektheit erhebe – mein Ziel ist es vielmehr, gesundheitsbewussten und interessierten Menschen einen einfachen, alltagstauglichen Zugang zu diesem faszinierenden Thema zu ermöglichen. Ich hoffe sehr, dass mir das mit diesem Artikel gelungen ist.

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Hinweis zu Dosierungen und unterschiedlichen Rezepturen

Wir werden oft gefragt, warum die Dosierung im Buch eine andere ist, als in unseren Podcasts, oder warum wir nun die eine oder andere Mischung für eine spezielle Anwendung mit unterschiedlichen ätherischen oder fetten Ölen empfehlen. Dies hat unterschiedliche Gründe, z.B. können wir in den Podcasts noch viele Erklärungen und Ergänzungen einfügen, wir können die Dosierungen für einzelne Menschen besser differenzieren als in Büchern. Ausserdem vergleichen wir auch die Inhaltsstoffe einzelner ätherischer Öle, so dass wir viele alternative Mischungen mit ganz unterschiedlichen Ölen empfehlen können, die jedoch allesamt gut funktionieren. Wir möchten damit auch aufmerksam machen, dass die Anwendung ätherischer Öle so vielfältig ist wie kaum eine andere naturheilkundliche Anwendung. Sicher – dazu braucht man das nötige “Know how” und sicherlich auch jahrelange Erfahrung.

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