Löst Zitronenöl Mikroplastik im Körper auf?
Kurz gesagt:
Nein. Das ist biochemisch und physiologisch extrem unwahrscheinlich.
Und ich erkläre dir auch warum.
Ja – Monoterpene können Kunststoffe lösen
Zitronenöl enthält viel Limonen.
Limonen ist ein Monoterpen – und wirkt tatsächlich wie ein organisches Lösungsmittel.
Deshalb kann man:
-
Klebereste damit entfernen
-
Styropor anlösen
-
bestimmte Kunststoffe angreifen
Das Bild mit dem Kaffeesahne-Döschen zeigt genau das:
Direkter Kontakt. Hohe Konzentration. Reines Öl. Kunststoff außen.
Das ist Chemie. Das stimmt.
Warum funktioniert das NICHT im Körper?
Jetzt kommt der entscheidende Unterschied:
Im Becher:
-
Reines ätherisches Öl
-
Hohe Konzentration
-
Direktkontakt mit Plastik
-
Kein Stoffwechsel
-
Kein Blut, kein Wasser, kein Protein
Im Körper:
-
Stark verdünnt
-
Sofortige Verteilung im Blut
-
Bindung an Proteine
-
Rascher Abbau in der Leber
-
Ausscheidung über Niere/Lunge
-
Kein konzentrierter Kontakt mit Plastikpartikeln
Der Körper ist kein Plastikbecher.
Mikroplastik im Körper – was bedeutet das überhaupt?
Mikroplastik:
-
ist kein glattes Plastikstück im Magen
-
verteilt sich in winzigen Partikeln im Gewebe
-
kann in Zellen, im Darm, im Blut vorkommen
-
ist teilweise in Membranen oder Makrophagen eingebettet
Damit ein ätherisches Öl Mikroplastik „auflösen“ könnte, müsste:
-
das Terpen in ausreichend hoher Konzentration
-
direkt am Plastikpartikel
-
über längere Zeit
-
ohne sofort metabolisiert zu werden
wirken können.
Das ist praktisch unmöglich.
Warum nicht?
Stoffwechsel
Monoterpene wie Limonen werden:
-
innerhalb von Minuten bis Stunden metabolisiert
-
oxidiert
-
konjugiert
-
wasserlöslich gemacht
-
ausgeschieden
Sie zirkulieren nicht stundenlang in reiner Form im Körper.
Verdünnungseffekt – und warum täglicher Schleimhautkontakt problematisch ist
Selbst wenn jemand ätherische Öle innerlich einnimmt (was ich ausdrücklich nicht empfehle):
-
werden sie stark verdünnt
-
im Verdauungstrakt emulgiert
-
enzymatisch verändert
-
über Leber und Niere verstoffwechselt
Sie zirkulieren also nicht als „reines Lösungsmittel“ im Körper.
Aber – und das ist entscheidend:
Monoterpene wirken lipophil.
Das bedeutet: Sie lösen Fette.
Und genau deshalb können sie bei wiederholtem oder hochdosiertem Kontakt biologische Barrieren angreifen.

Schleimhäute sind keine Plastikoberflächen
Unsere Schleimhäute bestehen aus:
-
empfindlichen Epithelzellen
-
schützenden Lipidschichten
-
einem fein abgestimmten Mikrobiom
-
Immunzellen
Monoterpene können:
-
Lipidstrukturen destabilisieren
-
Zellmembranen durchlässiger machen
-
die natürliche Schutzbarriere schwächen
Bei gelegentlicher, stark verdünnter Anwendung kann der Körper das kompensieren.
Bei täglicher, hochkonzentrierter Einnahme oder direkter Schleimhautanwendung jedoch können auftreten:
-
Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut
-
Brennen im Ösophagus
-
Irritationen der Magenschleimhaut
-
Übelkeit
-
Schleimhautentzündungen
-
Störung des Darmmikrobioms
Langfristig kann eine geschädigte Schleimhautbarriere:
-
Entzündungsprozesse fördern
-
die Immunregulation beeinflussen
-
Nährstoffaufnahme verändern
-
die Anfälligkeit für Reizungen erhöhen
Und auch äußerlich gilt:
Die Hautbarriere besteht aus:
-
Hornschicht
-
Lipidmatrix
-
natürlicher mikrobieller Besiedlung
Hochdosierte oder häufige unverdünnte Anwendung von Monoterpen-reichen Ölen kann:
-
die Lipidstruktur der Haut stören
-
transepidermalen Wasserverlust erhöhen
-
Sensibilisierungen begünstigen
-
Kontaktdermatitis fördern
Das hat nichts mit „Chemophobie“ zu tun.
Das ist einfache Membranbiochemie.
Der entscheidende Unterschied
Ein Stoff, der Fett lösen kann,
löst nicht nur Plastik.
Er kann auch biologische Membranen beeinflussen.
Und unser Körper ist kein inertes Kunststoffgefäß,
sondern ein empfindliches, reguliertes System.
Deshalb ist die Vorstellung:
„Wenn es Plastik löst, löst es Mikroplastik im Körper“
nicht nur unrealistisch –
sie verkennt auch die Risiken für unsere eigenen Schutzstrukturen.
Chemisches Missverständnis
Nur weil ein Stoff Plastik im Labor löst,
heißt das nicht, dass er im Körper dasselbe tut.
Beispiel:
Aceton löst Kunststoff. Niemand würde behaupten, es könne Mikroplastik im Gewebe entfernen.
Was würde passieren, wenn man es versucht?
Wenn man so hohe Mengen an Monoterpenen zuführen würde,
dass sie tatsächlich plastisch wirksam wären,
würde vorher passieren:
-
Schleimhautreizungen
-
Leberschäden
-
Störung des Mikrobioms
-
Entzündungen
Der Körper würde Schaden nehmen, lange bevor Plastik sich „auflöst“.
Warum verbreitet sich dieser Mythos?
Weil:
-
Das Bild mit Styropor beeindruckend ist
-
„Lösungsmittel“ logisch klingt
-
Mikroplastik Angst macht
-
Menschen einfache Lösungen wollen
- weil Profitgier unermesslich ist
Und weil chemische Eigenschaften aus dem Labor
1:1 auf den Körper übertragen werden.
Das ist jedoch ein Denkfehler.
Die fachlich nüchterne Wahrheit
Es gibt keine seriöse Studie, die zeigt, dass ätherische Öle Mikroplastik im menschlichen Körper auflösen.
Keine klinischen Daten.
Keine physiologischen Belege.
Keine biochemische Plausibilität.
Um über die gesundheitlichen Gefahren von Mikroplastik, Nanoplastik und Flüssigplastik zu sprechen, war die Stunde dieser Folge eher zu kurz, wir thematisierten dennoch einige besonders „brennende“ Schwerpunkte. Wir lasen in den letzten Wochen Studien und sonstige Texte dazu.
Eliane nahm an einer hochkarätigen dreitägigen internationalen Konferenz zu diesem Thema an der Uni Dublin teil. Sie realisierte: Die Menschheit hat inzwischen die bildgebenden Verfahren zur Hand, um nachzuweisen zu können, welche verheerenden Folgen die täglich steigende Vermüllung der Welt mit Kunststoffen verursacht.
Wir beide meinen: Jede(r) kann dazu beitragen, dass sich das Thema nicht noch mehr zuspitzt und dass den sich abzeichnenden Gesundheitsschäden durch Plastik vorgebeugt wird. (hier hören)
Was ätherische Öle stattdessen können
Sie können:
-
antioxidativ wirken
-
Entzündungsprozesse modulieren
-
das Nervensystem beeinflussen
-
die Stimmung verbessern
Aber sie sind keine „biologischen Kunststoffreiniger“.
Ja, Zitronenöl kann im Labor Kunststoff anlösen.
Aber unser Körper ist kein Plastikbecher!!!
Monoterpene werden sofort verstoffwechselt und erreichen niemals die Konzentration, die nötig wäre, um Mikroplastik im Gewebe aufzulösen.
Diese Vorstellung ist chemisch nachvollziehbar – physiologisch jedoch unrealistisch.
Wichtig: Ich bin keine Wissenschaftlerin – aber eine Wissenschafferin. Ich liebe es, Wissen zu sammeln, es greifbar zu machen und mit anderen zu teilen. Dieser Artikel ersetzt weder deinen Arzt/Ärztin, Therapeut*in noch deine Eigenverantwortung und ist in keinster Weise als Therapie gedacht. Er soll informieren, inspirieren und dein Bewusstsein zu schärfen.
Mir ist bewusst, dass ich keinen Anspruch auf absolute wissenschaftliche Korrektheit erhebe – mein Ziel ist es vielmehr, gesundheitsbewussten und interessierten Menschen einen einfachen, alltagstauglichen Zugang zu diesem faszinierenden Thema zu ermöglichen. Ich hoffe sehr, dass mir das mit diesem Artikel gelungen ist.
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