Wenn mich jemand fragt: „Wie kann ein Kosmetikprodukt zugelassen sein, wenn darin Stoffe stecken, die kritisch diskutiert werden?“, ist ein wichtiger Teil der Antwort:
Die Sicherheitsbewertung betrachtet einzelne Stoffe und ihre festgelegten Konzentrationen. Unser Alltag besteht aber nicht aus einem einzigen Stoff und einem einzigen Produkt.
Genau an dieser Stelle kommt der sogenannte Cocktail-Effekt ins Spiel.

Morgens benutzen wir zum Beispiel Zahnpasta, Duschgel, Shampoo, Gesichtscreme, Deo, Make-up und Parfum. Später kommen Handcreme, Sonnenschutz oder Bodylotion dazu. Gleichzeitig nehmen wir Stoffe über Lebensmittel, Verpackungen, Hausstaub oder die Umwelt auf.
So entsteht eine Mischung vieler verschiedener Substanzen.
Genau das bezeichnet man als Cocktail-Effekt oder Mischungseffekt.
Ein einzelner Stoff kann in der eingesetzten Menge als sicher bewertet sein. Treffen jedoch mehrere Stoffe mit ähnlichen biologischen Wirkmechanismen zusammen, können sich ihre Effekte addieren. In manchen Fällen können sich Substanzen auch gegenseitig beeinflussen. Besonders relevant diskutiert man das bei hormonell wirksamen Substanzen, sogenannten endokrinen Disruptoren.
Ein vereinfachtes Beispiel:
Stoff A liegt unterhalb einer Konzentration, bei der man einen relevanten Effekt erwartet.
Stoff B ebenfalls.
Stoff C ebenfalls.
Trotzdem können A + B + C gemeinsam eine biologische Wirkung erreichen, wenn sie beispielsweise dasselbe Hormonsystem oder denselben Signalweg beeinflussen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jedes zugelassene Kosmetikprodukt gefährlich ist. Die EU-Kosmetikverordnung enthält Verbote, Höchstmengen und Sicherheitsanforderungen. Inhaltsstoffe werden toxikologisch bewertet und bei neuen Erkenntnissen neu beurteilt.
Das Problem liegt an einer anderen Stelle. Eine Sicherheitsbewertung kann unsere gesamte reale Exposition gegenüber zahlreichen Stoffen aus unterschiedlichen Quellen nur begrenzt abbilden.
Deshalb finde ich den Satz „Wenn es verkauft werden darf, kann es überhaupt kein Problem sein“ zu kurz gegriffen.
Genauso falsch wäre aber: „Kosmetik ist voller Giftstoffe.“
Für mich liegt der vernünftige Weg dazwischen.
Du musst keine Angst vor deiner Kosmetik haben. Du kannst aber deine Gesamtexposition dort reduzieren, wo es ohne großen Aufwand geht. Weniger Produkte. Inhaltsstoffe bewusst auswählen. Bei Produkten, die du täglich und großflächig verwendest, genauer hinschauen. Und Naturkosmetik nicht deshalb wählen, weil alles Natürliche automatisch harmlos ist, sondern weil gute Standards bestimmte Stoffgruppen von vornherein ausschließen.
Das ist für mich keine Panikmache. Es ist ein bewusster Umgang mit einer Frage, die die Toxikologie schon lange beschäftigt: Nicht nur „Wie viel von einem Stoff?“, sondern auch „Welche Stoffe treffen gleichzeitig aufeinander?“
