Ein botanischer Name – drei völlig unterschiedliche ätherische Öle – Cinnamomum camphora

Express Wissen: Ein botanischer Name – drei völlig unterschiedliche ätherische Öle

Cinnamomum camphora – wer nur auf den botanischen Namen schaut, könnte meinen, damit sei eindeutig beschrieben, welches ätherische Öl sich in der Flasche befindet. Doch genau dieses Beispiel zeigt wunderbar, warum in der Aromatherapie botanischer Name, Chemotyp und Inhaltsstoffe zusammengehören.

Ein botanischer Name – drei völlig unterschiedliche ätherische Öle - Cinnamomum camphora

Aus Cinnamomum camphora können nämlich ätherische Öle mit sehr unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung gewonnen werden. Und damit verändern sich nicht nur Duft und Eigenschaften, sondern auch Dosierung, Einsatzmöglichkeiten und Sicherheit.

Was bedeutet eigentlich Chemotyp?

Pflanzen derselben botanischen Art können abhängig von Standort, Klima, Boden, Höhenlage und weiteren Wachstumsbedingungen unterschiedliche Stoffwechselwege entwickeln. Bestimmte Inhaltsstoffe werden dann besonders stark gebildet.

Wir sprechen von einem Chemotyp, kurz Ct. oder CT.

Das ist keineswegs eine aromatherapeutische Spitzfindigkeit. Der Chemotyp verrät uns, welche Inhaltsstoffe das ätherische Öl wesentlich prägen – und gibt uns damit wichtige Hinweise für seine Anwendung.

Bei Cinnamomum camphora wird das besonders anschaulich.

CT Kampfer – Kampferöl

Beim Kampfer-Chemotyp kann der Anteil an Borneon (Kampfer) bis zu etwa 50 % betragen, hinzu kommen etwa 20–30 % 1,8-Cineol.

Damit haben wir ein sehr kraftvolles ätherisches Öl, bei dem entsprechende Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigt werden müssen. Es ist insbesondere kein Öl für kleine Kinder, in der Schwangerschaft wird es nicht eingesetzt und bei Epilepsie ist besondere Vorsicht erforderlich.

CT Linalool – Ho-Blätter

Ganz anders sieht es beim CT Linalool aus. Dieses ätherische Öl kennen wir als Ho-Blätteröl. Es kann bis zu etwa 99 % Linalool enthalten.

Obwohl auf der Flasche ebenfalls Cinnamomum camphora stehen kann, haben wir es chemisch und damit auch aromatherapeutisch mit einem völlig anderen Öl zu tun als beim Kampferöl. Ho-Blätteröl gehört zu den ausgesprochen linaloolreichen ätherischen Ölen und kann entsprechend wesentlich sanfter eingesetzt werden.

Für das aus China stammende Ho-Blätteröl werden vor allem die belaubten Zweige und Äste des Ho-Baumes destilliert. Sein weicher, blumiger Duft erinnert deutlich an Rosenholzöl (Aniba rosaeodora), und auch chemisch ähneln sich beide Öle durch ihren hohen Linaloolgehalt.

Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied: Für die traditionelle Gewinnung von Rosenholzöl wurde das Holz des Baumes genutzt und dafür der ganze Baum gefällt. Beim Ho-Blätteröl können dagegen Äste und Zweige geschnitten werden und wieder nachwachsen. Der Baum bleibt erhalten. Die gelegentlich verwendeten Bezeichnungen „Ho-Holz“ oder „Ho-Holz-Blätter“ können deshalb etwas irreführend sein – für das als Ho-Blätteröl bezeichnete ätherische Öl werden nach gängiger Praxis die belaubten Zweige und nicht der Baumstamm destilliert.

In der Aromapflege schätzen wir Ho-Blätteröl vor allem wegen seiner hautverträglichen, beruhigenden und antimikrobiellen Eigenschaften. Es eignet sich beispielsweise für Hautpflegeöle, Mischungen für empfindliche oder beanspruchte Haut sowie zur begleitenden Pflege bei kleineren Hautproblemen. Auch in Mischungen für die Erkältungszeit wird es gerne eingesetzt.

Gleichzeitig ist Ho-Blätteröl ein schönes Seelenöl. Der hohe Linaloolgehalt macht es interessant für entspannende Mischungen bei Anspannung, Unruhe und Stress. Es lässt sich gut mit Zitrusölen, Lavendel, Benzoe oder anderen sanften Düften kombinieren und eignet sich für Riechstifte, Körperöle und die Raumbeduftung.

Ein weiterer Vorteil ist seine vergleichsweise gute Verträglichkeit. Dadurch ist Ho-Blätteröl – entsprechend niedrig dosiert – auch für sensible Menschen und Kinder interessant.

Nasenbalsam – Virale Abwehr (ab 3 Jahren)

1 EL Aprikose-Kokos-Hautbalsam

5 Tr. Sanddornfruchtfleischöl

2 Tr. Ho-Blätter

2 Tr. Rosalina Teebaum

CT Cineol – Ravintsara

Und dann gibt es noch Ravintsara, ebenfalls Cinnamomum camphora, diesmal CT Cineol.

Ravintsara enthält etwa 65 % 1,8-Cineol. Auch dieses Öl unterscheidet sich damit deutlich von den beiden anderen Varianten und benötigt seine eigenen alters- und anwendungsbezogenen Empfehlungen.

RAVINTSARA ist ein hervorragendes ätherisches Öl wenn die Immunabwehr geschwächt ist. Genau dann hat das Herpes Virus “freie Bahn”. Dieses Öl ist sehr hautfreundlich und gut verträglich und kann daher in Mischungen bestens auf die von Herpesbläschen befallene Haut aufgetragen werden.

In mehreren Studien konnte die Wirksamkeit von unterschiedlichen ätherischen Ölen und Pflanzenextrakten gezeigt werden.

Ömischung zum Betupfen

40 ml Johanniskrautöl und 10 ml Calophyllumöl

5 Tropfen Ravintsara

5 Tropfen Melisse 10%

5 Tropfen Rosengeranie

5 Tropfen Teebaum

Mit dieser Mischung werden die betroffenen Hautstellen 2-3 x täglich vorsichtig betupft.

Drei Fläschchen könnten also denselben botanischen Namen tragen:

Cinnamomum camphora.

Und trotzdem enthalten sie drei ätherische Öle, die wir keinesfalls einfach gegeneinander austauschen sollten.

Ein botanischer Name – drei völlig unterschiedliche ätherische Öle - Cinnamomum camphora

Darum lohnt sich der Blick aufs Etikett

Gerade dieses Beispiel zeigt, warum ich in meinen Ausbildungen immer wieder auf die genaue Bezeichnung eines ätherischen Öles poche.

„Ich habe Cinnamomum camphora zu Hause“ reicht nicht.

Welcher Chemotyp? Welche Inhaltsstoffe? Welche Herkunft?

Erst dann können wir beurteilen, welches Öl tatsächlich vor uns steht und für wen und in welcher Situation es geeignet ist.

Das gilt übrigens nicht nur für Cinnamomum camphora. Chemotypen begegnen uns beispielsweise auch bei Thymian, Rosmarin, Basilikum oder Myrte.

Mein Express-Wissen-Merksatz deshalb:

Ein botanischer Name ist wichtig – aber manchmal noch nicht die ganze Antwort. Der Chemotyp kann über Wirkung, Dosierung und Sicherheit entscheiden.

Denn verantwortungsvolle Aromatherapie beginnt nicht beim Tropfenzählen, sondern beim genauen Hinschauen auf die Pflanze und ihre Inhaltsstoffe.

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