Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle

Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle

Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle

 

Ein Tag voller Begegnungen, viele spannende Fragen und die faszinierende Biochemie ätherischer Öle

Manchmal sind es die persönlichen Begegnungen, die mich daran erinnern, warum ich meine Arbeit auch nach so vielen Jahren noch immer so sehr liebe.

Unser verkaufsoffener Sonntag war genau so ein Tag. Deshalb möchte ich mich zuerst von Herzen bei allen bedanken, die uns besucht haben. Besonders berührt hat mich, dass einige von euch wirklich weite Wege auf sich genommen haben, um mich persönlich zu treffen. Das ist für mich alles andere als selbstverständlich!

Genauso gefreut habe ich mich über die vielen neuen Gesichter. Über Menschen, die vielleicht schon öfter überlegt haben, einmal vorbeizuschauen, und die sich nun einfach getraut haben, unser Geschäft ganz unverbindlich zu betreten, sich umzusehen, Fragen zu stellen und ein bisschen in unsere duftende Welt einzutauchen.

Dabei ist mir etwas bewusst geworden, worüber ich seitdem immer wieder nachdenke.

Ich beschäftige mich seit so vielen Jahren intensiv mit ätherischen Ölen, Aromatherapie, Pflanzenheilkunde und Mikronährstoffen, dass vieles für mich inzwischen völlig selbstverständlich geworden ist. Manchmal denke ich: „Das ist doch ganz einfach, da könnte man doch dieses oder jenes ausprobieren.“

Und dabei vergesse ich gelegentlich, dass es unglaublich viele Menschen gibt, für die all das vollkommen neu ist.

Menschen, die noch nie etwas von einem Chemotyp gehört haben, die nicht wissen, was ein Hydrolat ist, oder die ätherische Öle bisher ausschließlich mit einem angenehmen Raumduft verbinden.

Und wisst ihr was? Genau deshalb liebe ich diese persönlichen Begegnungen so sehr. Weil wir miteinander ins Gespräch kommen, Fragen stellen können und sich manchmal mit einer einzigen Erklärung eine ganz neue Welt öffnet.

 

Eine Frage ist mir an diesem Sonntag wieder begegnet, die ich tatsächlich sehr häufig höre:

„Wie wirken ätherische Öle eigentlich? Und wofür kann ich sie überhaupt verwenden?“

Eine wunderbare Frage! Und gar nicht so einfach in zwei Sätzen zu beantworten.

Denn hinter einem einzigen Tropfen ätherischen Öls steckt eine erstaunlich komplexe Welt.


Ätherische Öle sind weit mehr als angenehme Düfte

Natürlich ist der Duft eine wichtige Seite der Aromatherapie. Und für viele Menschen ist genau das der erste Kontakt mit ätherischen Ölen.

Ein paar Tropfen in den Diffuser, ein angenehmer Raumduft, vielleicht ein bisschen Entspannung nach einem anstrengenden Tag.

Das ist wunderbar und hat durchaus seine Berechtigung.

Über unsere Riechrezeptoren werden Duftinformationen aufgenommen und an verschiedene Bereiche unseres Gehirns weitergeleitet. Dabei bestehen enge Verbindungen zu Hirnregionen, die an Emotionen, Erinnerungen und vegetativen Reaktionen beteiligt sind.

Deshalb kann uns ein vertrauter Duft innerhalb von Sekunden an einen bestimmten Menschen, einen Ort oder eine längst vergangene Situation erinnern.

Manchmal empfinden wir einen Duft als beruhigend, manchmal als erfrischend oder aktivierend. Und manchmal mögen wir einen Duft überhaupt nicht, obwohl andere Menschen davon begeistert sind.

 

Die Nase der betreffenden Person entscheidet mit.

Doch neben dieser emotionalen und neurophysiologischen Seite gibt es noch einen weiteren Bereich, der mich besonders fasziniert: die Biochemie ätherischer Öle.

Und damit kommen wir zu einem Begriff, den viele von euch vielleicht noch nie gehört haben: Multi-Target-Wirkung

 

Was bedeutet eigentlich Multi-Target-Wirkung?

„Multi“ bedeutet „viele“, „Target“ bedeutet „Ziel“.

In der Pharmakologie beschreibt dieser Begriff, dass ein Wirkstoff oder ein Stoffgemisch an mehreren biologischen Zielstrukturen ansetzen kann.

Solche Zielstrukturen können beispielsweise Rezeptoren, Enzyme, Ionenkanäle oder andere Bestandteile unserer Zellen sein.

Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle

Und genau hier wird es bei ätherischen Ölen richtig spannend.

Ein ätherisches Öl besteht nicht nur aus einem einzigen Wirkstoff, sondern kann Dutzende, manchmal sogar weit über hundert unterschiedliche chemische Verbindungen enthalten.

Wir sprechen deshalb von einem Vielstoffgemisch.

Stellt euch das einmal vor: In einem einzigen Tropfen steckt eine hochkomplexe Mischung unterschiedlicher Moleküle, die ganz verschiedene chemische und biologische Eigenschaften besitzen können.

Einige dieser Inhaltsstoffe zeigen beispielsweise in Laboruntersuchungen antibakterielle Eigenschaften, andere können das Wachstum bestimmter Pilze hemmen. Manche Moleküle besitzen sogar mehrere dieser Eigenschaften gleichzeitig.

Und dann wird es noch interessanter.

Bestimmte Duftmoleküle werden auch hinsichtlich ihrer Wechselwirkungen mit Rezeptoren und Botenstoffsystemen unseres Nervensystems untersucht.

Dazu gehört beispielsweise das GABA-System. (klick hier um noch mehr über GABA zu erfahren)

GABA steht für Gamma-Aminobuttersäure und ist einer der wichtigsten hemmenden Botenstoffe unseres zentralen Nervensystems. Vereinfacht ausgedrückt hilft GABA dabei, die Erregbarkeit von Nervenzellen zu regulieren.

Einige Pflanzeninhaltsstoffe zeigen in experimentellen Untersuchungen Einflüsse auf GABA-vermittelte Signalwege. Ob und in welchem Umfang daraus beim Menschen eine beruhigende Wirkung entsteht, hängt allerdings von vielen Faktoren ab und ist längst nicht für jedes ätherische Öl ausreichend untersucht.

Aber das Prinzip dahinter ist faszinierend:

Ein einzelnes Molekül kann an unterschiedlichen biologischen Prozessen beteiligt sein. Und ein ätherisches Öl enthält viele verschiedene Moleküle.

Das ist vereinfacht ausgedrückt das Prinzip der Multi-Target-Wirkung.Wichtig ist dabei: Nicht jede im Labor beobachtete Wirkung tritt automatisch auch im menschlichen Körper auf. Dafür müssen die betreffenden Moleküle ihren Wirkort überhaupt in ausreichender Konzentration erreichen.

 

Exkurs – Ätherische Öle und multiresistente Keime

Ein besonders spannendes Forschungsgebiet ist in diesem Zusammenhang der mögliche Einsatz ätherischer Öle gegen multiresistente Krankheitserreger, also Bakterien, gegen die viele herkömmliche Antibiotika nicht mehr ausreichend wirken. In Laboruntersuchungen zeigen bestimmte ätherische Öle beispielsweise auch gegenüber methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) antibakterielle Eigenschaften. Interessant ist dabei, dass unterschiedliche Inhaltsstoffe an mehreren Strukturen der Bakterienzelle ansetzen können, beispielsweise an der Zellmembran oder an lebenswichtigen Stoffwechselprozessen. Einige Studien untersuchen außerdem, ob ätherische Öle die Wirksamkeit bestimmter Antibiotika verstärken oder bakterielle Biofilme beeinflussen können. Gerade die komplexe Zusammensetzung der Öle eröffnet hier interessante Forschungsansätze, macht es aber gleichzeitig schwierig, die einzelnen Wirkmechanismen eindeutig zuzuordnen.
mehr darüber kannst du in diesem Beitrag lesen (klick hier) und hier

Warum macht genau das die wissenschaftliche Erforschung so schwierig?

Diese Vielfalt an Inhaltsstoffen und möglichen Wirkmechanismen macht die Aromatherapie ausgesprochen interessant. Gleichzeitig ist sie einer der Gründe, warum sich ätherische Öle nicht immer einfach in die klassischen pharmakologischen Untersuchungsmodelle einordnen lassen.
Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle

Viele Arzneimittel enthalten einen oder wenige genau definierte Wirkstoffe. Natürlich gibt es auch in der konventionellen Medizin Medikamente, die an mehreren Zielstrukturen wirken. Das Multi-Target-Prinzip ist also keineswegs auf die Aromatherapie beschränkt.

Bei ätherischen Ölen kommt jedoch eine zusätzliche Herausforderung hinzu: Wir haben es mit komplexen Vielstoffgemischen zu tun, deren Zusammensetzung je nach Pflanzenart, Chemotyp, Herkunft, Erntebedingungen und Verarbeitung unterschiedlich ausfallen kann.

Welcher Inhaltsstoff ist für welchen Effekt verantwortlich? Wirken mehrere Moleküle zusammen? Verstärken sie sich gegenseitig oder schwächen sie sich möglicherweise sogar ab?

Und wie verändern sich diese Effekte, wenn wir die Konzentration, die Dosierung oder die Art der Anwendung verändern?


Genau diese Fragen machen die Erforschung ätherischer Öle so anspruchsvoll.

In einer Zellstudie lässt sich beispielsweise untersuchen, ob ein bestimmtes ätherisches Öl das Wachstum von Bakterien hemmt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass dieselbe Wirkung bei einer Anwendung am Menschen in vergleichbarem Umfang erreicht wird.

Denn unser Körper ist kein Reagenzglas.

Aufnahme, Verteilung, Stoffwechsel und Ausscheidung der Inhaltsstoffe spielen ebenso eine Rolle wie die tatsächlich erreichte Konzentration am Wirkort.

Hinzu kommt, dass wir in der Aromatherapie häufig nicht mit einzelnen Ölen arbeiten, sondern mehrere ätherische Öle miteinander kombinieren.

Doch dazu gleich mehr.


:: Was ist dir/Ihnen wert, im Bereich der ätherischen Öle über aktuelle Themen zu lesen, basierend auf seriöser Recherche? SeitMein Aromatherapie Notfallplan "Zähne & Mund" 2009 kann dieses onlineMagazin zum Thema Aromatherapie kostenlos gelesen werden. Alle aktuellen und insgesamt weit über 400 Artikel über die Aromatherapie und die Aromapflege stehen euch und Ihnen hier kostenlos zur Verfügung. Meine durch Idealismus angetriebenen Recherchen, Übersetzungen, Zusammenfassungen und Einschätzungen verschenke ich, die technischen Kosten zum Betreiben einer datensicheren Website werden jedoch nicht weniger. Eine Spende kann zur Deckung dieser unsichtbaren Leistungen beitragen, ich freue mich zudem über eine Wertschätzung meiner Arbeit. Hier geht es zum Spendenformular.

Warum kann eine Muskelmischung auch bei Erkältungsbeschwerden interessant sein?

Vielleicht habt ihr euch schon einmal gewundert, warum bestimmte ätherische Öle in ganz unterschiedlichen Rezepturen auftauchen.

Ein Öl findet sich beispielsweise in einer Mischung für schmerzende Muskeln und Gelenke – und begegnet uns an anderer Stelle in einer Rezeptur für die Erkältungszeit wieder.

Wie kann das sein?

Genau hier hilft uns das Multi-Target-Prinzip beim Verständnis.

Bestimmte ätherische Öle enthalten Moleküle, die auf unterschiedliche biologische Zielstrukturen einwirken können.

Einige dieser Inhaltsstoffe werden beispielsweise hinsichtlich ihrer entzündungsmodulierenden oder schmerzbezogenen Eigenschaften untersucht. Gleichzeitig können andere Bestandteile desselben Öls antimikrobielle Eigenschaften besitzen oder traditionell bei Atemwegsbeschwerden eingesetzt werden.

Das bedeutet nicht, dass eine schmerzlindernde Mischung automatisch auch bei Erkältungen wirksam ist.

Es erklärt aber, warum dieselben ätherischen Öle in unterschiedlichen aromatherapeutischen Anwendungsbereichen interessant sein können.

Ein anderes Beispiel sind Mischungen, die wir bei Muskelverspannungen einsetzen.

Bestimmte ätherische Öle werden hinsichtlich ihrer krampflösenden Eigenschaften untersucht. Gleichzeitig können einige ihrer Duftmoleküle auch mit Signalwegen des Nervensystems wechselwirken, die an Entspannung und der Regulation neuronaler Erregbarkeit beteiligt sind.

Eine Mischung, die ursprünglich für verspannte Muskeln zusammengestellt wurde, kann deshalb aufgrund ihres Duftes möglicherweise auch als beruhigend empfunden werden und ein abendliches Entspannungsritual begleiten.

Ob sie tatsächlich das Einschlafen erleichtert, muss allerdings für die jeweilige Anwendung betrachtet werden.

Es ist also nicht immer nur eine einzige Eigenschaft, die ein ätherisches Öl für uns interessant macht.


Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle

Rezept (barrierefrei):
50 ml Johanniskrautöl
4 Tr. Saro
4 Tr. Majoran
4 Tr. Eukalyptus staigeriana
4 Tr. Thymian mastichina

Und genau deshalb reicht es nicht aus, ätherische Öle ausschließlich nach dem Schema „Dieses Öl ist für diese Beschwerde“ einzuordnen.

Wir müssen ihre chemische Zusammensetzung kennen und verstehen, welche Eigenschaften wissenschaftlich untersucht wurden, welche Wirkungen beim Menschen belegt sind und welche Anwendungen vor allem auf traditionellem Erfahrungswissen beruhen.

Ein ätherisches Öl ist schon komplex – aber was passiert, wenn wir mehrere miteinander mischen?

Vielleicht hilft euch dazu ein kleines Gedankenexperiment.

Stellt euch ein ätherisches Öl wie ein Orchester vor.

In diesem Orchester spielen nicht nur zwei oder drei Instrumente, sondern möglicherweise hundert verschiedene.

Jedes Instrument steht für einen chemischen Inhaltsstoff.

Manche Instrumente spielen besonders laut und prägen das gesamte Klangbild. Andere sind kaum zu hören, gehören aber trotzdem zum Orchester.
Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle

Und einige Instrumente können sogar mehrere Aufgaben übernehmen.

So ähnlich ist es bei den Inhaltsstoffen ätherischer Öle.

Manche Moleküle kommen in besonders hoher Konzentration vor und prägen die Eigenschaften eines Öls wesentlich. Andere sind nur in sehr geringen Mengen enthalten.

Einzelne Inhaltsstoffe können mit mehreren biologischen Zielstrukturen wechselwirken. Andere beeinflussen möglicherweise dieselben Prozesse oder wirken auf ganz andere Bereiche.

 

Und jetzt stellt euch vor, wir mischen fünf ätherische Öle miteinander.

Plötzlich sitzen fünf Orchester gemeinsam auf der Bühne!

Einige Instrumente kommen in mehreren Orchestern vor. Andere ergänzen sich, manche beeinflussen sich gegenseitig.

Einige werden stärker wahrgenommen, andere treten in den Hintergrund.

Und obwohl wir die einzelnen Orchester vielleicht gut kennen, wissen wir noch lange nicht, wie das gemeinsame Konzert tatsächlich klingt.

Genau das passiert vereinfacht ausgedrückt, wenn wir ätherische Öle miteinander kombinieren.

Aus fünf komplexen Vielstoffgemischen entsteht eine neue Mischung mit einer Vielzahl unterschiedlicher Moleküle und möglichen Wechselwirkungen.

Dabei können sich einzelne Eigenschaften ergänzen. In Laboruntersuchungen beobachten wir bei bestimmten Kombinationen auch sogenannte synergistische Effekte.

Das bedeutet, dass die gemeinsame Wirkung zweier Stoffe stärker ausfällt, als aufgrund ihrer Einzelwirkungen zu erwarten wäre.

Umgekehrt können sich Inhaltsstoffe aber auch gegenseitig abschwächen. Das nennen wir antagonistische Effekte.

Und manchmal ergibt sich einfach eine additive Wirkung: Die Effekte der einzelnen Stoffe ergänzen sich, ohne sich darüber hinaus gegenseitig zu verstärken.

Allerdings müssen solche Wechselwirkungen für die jeweilige Kombination tatsächlich untersucht werden. Wir können sie nicht allein aus der Zusammensetzung einer Mischung vorhersagen.

Nur weil fünf ätherische Öle einzeln bestimmte Eigenschaften besitzen, bedeutet das nicht, dass ihre Mischung automatisch fünfmal so wirksam ist.

Hinzu kommen die Konzentrationen, die Verdünnung, der Anwendungsweg und die individuelle Reaktion des Menschen.

Deshalb ist eine gut durchdachte aromatherapeutische Mischung eben nicht einfach die Summe ihrer Einzelöle.

 

Meine kleine Eselsbrücke

Ein ätherisches Öl ist ein Orchester aus vielen Molekülen. Eine Aromamischung ist ein Konzert mehrerer Orchester – und erst das Zusammenspiel entscheidet, was wir tatsächlich hören.

Und wie bei einem guten Konzert gilt auch hier:

Es müssen nicht immer möglichst viele Instrumente gleichzeitig spielen.

Manchmal ist ein kleines Kammerorchester genau die richtige Wahl.

Übertragen auf die Aromatherapie bedeutet das: Eine Mischung wird nicht automatisch besser, nur weil sie besonders viele unterschiedliche ätherische Öle enthält.

Eine gezielte Auswahl, eine passende Dosierung und die Berücksichtigung der jeweiligen Person sind wesentlich wichtiger als die Anzahl der verwendeten Öle.

 

Was bedeutet das für unsere praktische Aromatherapie?

Für mich zeigt dieses Beispiel sehr schön, warum verantwortungsvolle Aromatherapie fundiertes Wissen braucht.

Es geht nicht darum, möglichst viele ätherische Öle miteinander zu kombinieren oder jedem Öl möglichst viele Wirkungen zuzuschreiben.

Vielmehr müssen wir verstehen, welche Inhaltsstoffe in einem Öl enthalten sind, welche biologischen Eigenschaften sie besitzen können und was davon tatsächlich wissenschaftlich belegt ist.

Auch die Sicherheit gehört dazu.

Denn dieselbe chemische Vielfalt, die ätherische Öle so interessant macht, bedeutet gleichzeitig, dass wir mögliche Nebenwirkungen, Hautreizungen, Unverträglichkeiten und Wechselwirkungen berücksichtigen müssen.

Gerade bei Kindern, Schwangeren, älteren Menschen oder Menschen mit schweren Erkrankungen ist eine sorgfältige Auswahl besonders wichtig.

Und natürlich spielt auch die individuelle Duftwahrnehmung eine Rolle.

Eine Mischung kann biochemisch noch so interessant sein – wenn ein Mensch ihren Duft stark ablehnt, ist sie für eine Anwendung, bei der auch das emotionale Wohlbefinden im Mittelpunkt steht, keine gute Wahl.

 

Die Nase der betroffenen Person zählt.

Warum die Forschung mit Einzelwirkstoffen nicht immer das ganze Bild zeigt

Ein weiterer Punkt, der mir in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist, betrifft die wissenschaftliche Forschung. Denn so wertvoll und unverzichtbar Studien sind, müssen wir auch verstehen, was genau untersucht wurde und welche Schlussfolgerungen wir daraus ziehen dürfen.

Nehmen wir als Beispiel 1,8-Cineol, früher auch Eukalyptol genannt. Dieser Inhaltsstoff kommt in vielen ätherischen Ölen vor und ist beispielsweise eine der Hauptkomponenten des ätherischen Öls von Eucalyptus globulus.

1,8-Cineol ist wissenschaftlich gut untersucht. Unter anderem kennen wir seine schleimlösenden und entzündungsmodulierenden Eigenschaften. Es wird auch als isolierter Wirkstoff in zugelassenen Arzneimitteln bei bestimmten Atemwegserkrankungen eingesetzt.

Das ist zunächst einmal eine großartige Leistung der Forschung. Wir können einen einzelnen Pflanzeninhaltsstoff gezielt untersuchen, seine Eigenschaften beschreiben, Dosierungen bestimmen und mögliche Nebenwirkungen erfassen.

Aber wir untersuchen damit eben nur einen Ausschnitt aus der ursprünglichen Pflanze. Man könnte sagen, wir schauen in eine Raum mit einer unglaublich schönen und vielfältigen Einrichtung durch ein Schlüsselloch.

Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle

Ein einzelnes Molekül ist noch kein ätherisches Öl

Wenn wir 1,8-Cineol isolieren, erhalten wir einen chemisch definierten Einzelstoff. Im natürlichen Eukalyptusöl ist dieses Molekül dagegen Teil eines komplexen Vielstoffgemisches.

Neben dem Hauptinhaltsstoff finden wir zahlreiche weitere Verbindungen, darunter beispielsweise α-Pinen, Limonen, Aromadendren und andere Terpene. Manche kommen nur in sehr geringen Konzentrationen vor.

Und genau hier beginnt für mich eine der spannendsten Fragen der Pflanzenheilkunde:

 

Welche Bedeutung haben diese vielen Begleitstoffe?

Sind sie lediglich chemisches Beiwerk? Oder beeinflussen sie möglicherweise die Aufnahme, Verteilung, Wirkung und Verträglichkeit der Hauptinhaltsstoffe?

Aus der Forschung mit pflanzlichen Vielstoffgemischen wissen wir, dass solche Wechselwirkungen grundsätzlich möglich sind. Einzelne Inhaltsstoffe können sich in ihrer Wirkung ergänzen, verstärken oder auch abschwächen.

Denkbar ist beispielsweise, dass bestimmte Begleitstoffe die Wirkung eines Hauptinhaltsstoffs auf biologische Zielstrukturen verändern oder unerwünschte Effekte beeinflussen.

Allerdings müssen wir hier sorgfältig unterscheiden: Dass natürliches Eukalyptusöl grundsätzlich besser verträglich ist als isoliertes 1,8-Cineol, lässt sich daraus nicht automatisch ableiten. Dafür bräuchten wir direkte Vergleichsstudien mit entsprechenden Dosierungen und Anwendungsformen.

Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle
Du willst mehr über dieses Seminar erfahren??? (klick hier)

Und was ist mit den Nebenwirkungen von 1,8-Cineol?

Auch ein gut untersuchter pflanzlicher Einzelwirkstoff kann unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

Bei oral angewendetem 1,8-Cineol sind beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden als mögliche Nebenwirkungen bekannt. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Stoff die Magenschleimhaut regelrecht angreift oder schädigt. Es gibt aber viele Menschen, die solche Präparate schlecht vertragen.

Interessant wäre nun die Frage, ob ein vollständiges Eukalyptusöl mit seinen zahlreichen Begleitstoffen bei vergleichbarer Wirkstoffmenge andere Verträglichkeitseigenschaften zeigt. Und ja es gibt Präparate die von vielen Menschen besser vertragen werden.

 

Genau solche Vergleiche zwischen isolierten Molekülen und vollständigen Pflanzenstoffgemischen halte ich für besonders wertvoll.

Denn sie könnten uns helfen zu verstehen, ob und unter welchen Bedingungen die Begleitstoffe tatsächlich einen Unterschied machen.

Dabei dürfen wir eines nicht vergessen: Auch ein vollständiges ätherisches Öl ist nicht automatisch harmloser. Manche Begleitstoffe können unerwünschte Wirkungen verstärken oder zusätzliche Risiken mitbringen.

Die natürliche Zusammensetzung ist also weder ein Beweis für bessere Verträglichkeit noch für größere Wirksamkeit. Sie ist zunächst einmal eine komplexe chemische Realität, die wir wissenschaftlich untersuchen müssen.

 

Warum mich die ausschließliche Betrachtung einzelner Inhaltsstoffe nicht zufriedenstellt

Wenn wir ausschließlich einen isolierten Wirkstoff untersuchen, erfahren wir sehr viel über dieses Molekül.

Wir erfahren aber nicht automatisch, wie sich das vollständige ätherische Öl verhält.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Natürlich gibt es gute Gründe, Einzelstoffe zu untersuchen. Ihre Zusammensetzung ist eindeutig definiert, ihre Dosierung lässt sich exakt bestimmen und Studien können besser standardisiert werden.

Gerade für die Entwicklung und Zulassung von Arzneimitteln ist das von großer Bedeutung.

 

Problematisch wird es für mich dort, wo Forschungsergebnisse zu einem isolierten Inhaltsstoff ohne weitere Prüfung auf das gesamte ätherische Öl übertragen werden.

Wenn beispielsweise ein einzelner Inhaltsstoff in einer bestimmten Konzentration unerwünschte Wirkungen zeigt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass ein vollständiges ätherisches Öl mit einem deutlich geringeren Anteil dieses Stoffes dieselben Effekte hervorruft.
Leider gibt es solche Schlußfolgerungen häufig, deshalb geraten ätherische Öle auch oft von der schulmedizinische und wissenschaftlichen Seite aus in die Kritik, weil eben nicht unterschieden wird und vor allem nicht korrekt kommuniziert wird.

Umgekehrt dürfen wir aus einer positiven Untersuchung mit einem Einzelstoff auch nicht schließen, dass jedes ätherische Öl, das diesen Stoff enthält, dieselbe therapeutische Wirkung besitzt.

Beides wäre wissenschaftlich zu kurz gedacht.

 

Die Pflanze ist mehr als die Summe ihrer Einzelstoffe – aber ist sie deshalb automatisch besser?

In der Pflanzenheilkunde begegnet uns häufig der Gedanke, dass die Gesamtheit der Inhaltsstoffe für die Eigenschaften einer Pflanzenzubereitung entscheidend sein kann.

Und dieser Gedanke ist durchaus wissenschaftlich interessant.

Wir sprechen hier von möglichen synergistischen, additiven oder antagonistischen Wechselwirkungen.

Das bedeutet, dass Inhaltsstoffe gemeinsam anders wirken können, als wir es aufgrund ihrer isolierten Eigenschaften erwarten würden.

Aber ob das tatsächlich der Fall ist, müssen wir für jede konkrete Zubereitung untersuchen.

Ich finde deshalb, dass wir nicht zwischen „guter Natur“ und „schlechter Chemie“ unterscheiden sollten.

Auch die Natur besteht aus Chemie. Und ein isoliertes 1,8-Cineol-Molekül ist chemisch nicht grundsätzlich anders, nur weil es aus seinem ursprünglichen Pflanzenverband herausgelöst wurde.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Zusammensetzung des gesamten Präparates.

Ein Arzneimittel mit isoliertem 1,8-Cineol ist etwas anderes als ein Arzneimittel mit standardisiertem Eukalyptusöl. Beide können pflanzlichen Ursprungs sein, müssen aber hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Dosierung und Sicherheit jeweils eigenständig beurteilt werden.

 

Was ich mir für die Aromatherapieforschung wünsche

Ich wünsche mir, dass wir noch viel stärker untersuchen, wie sich vollständige ätherische Öle und ihre Inhaltsstoffe im Zusammenspiel verhalten.

Dass wir nicht nur fragen, was ein einzelnes Molekül bewirkt, sondern auch, welche Rolle die vielen anderen Inhaltsstoffe spielen.

Denn genau das ist der Kern des Multi-Target-Prinzips.

 

Ein ätherisches Öl enthält zahlreiche Moleküle, die möglicherweise an unterschiedlichen biologischen Zielstrukturen wirken und sich dabei gegenseitig beeinflussen.

Das macht die Forschung aufwendiger. Es macht die Ergebnisse manchmal schwieriger interpretierbar. Und es bedeutet, dass wir besonders sorgfältig zwischen Zellstudien, Tierversuchen und klinischen Untersuchungen am Menschen unterscheiden müssen.

Aber diese Komplexität ist für mich kein Grund, ätherische Öle wissenschaftlich weniger ernst zu nehmen.

Ganz im Gegenteil.

Sie ist ein Grund, noch genauer hinzuschauen.

Denn gute Wissenschaft bedeutet nicht nur, möglichst viele Studien zu haben. Sie bedeutet auch, die richtigen Fragen zu stellen, die Grenzen der jeweiligen Untersuchungsmethode zu erkennen und Ergebnisse nicht weiter zu verallgemeinern, als es die Daten erlauben.

Und genau das wünsche ich mir für die Aromatherapie: eine Forschung, die sowohl die einzelnen Moleküle als auch das komplexe Vielstoffgemisch berücksichtigt.

Nicht, um zu beweisen, dass die Natur grundsätzlich besser ist.

Sondern um wirklich zu verstehen, was diese faszinierenden Pflanzenstoffe können – und was eben auch nicht.

Einzelstoffforschung ist wertvoll, bildet aber nicht automatisch die Eigenschaften eines vollständigen ätherischen Öls ab.

 

Aromatherapie ist eben nicht nur die Frage, welches Öl wofür gut ist. Es geht darum, zu verstehen, warum ein Öl unterschiedliche Eigenschaften besitzen kann, welche davon wissenschaftlich belegt sind und wie wir dieses Wissen verantwortungsvoll in der Praxis nutzen können.

 

Warum mich diese Welt auch nach so vielen Jahren noch fasziniert

Vielleicht versteht ihr jetzt ein bisschen besser, warum Aromatherapie für mich so viel mehr ist als „ein paar schöne Düfte“.

Es ist Pflanzenchemie, Biochemie, Pharmakologie und Neurophysiologie – und gleichzeitig die ganz persönliche Wahrnehmung eines Menschen.

Diese Verbindung aus Naturwissenschaft, traditionellem Pflanzenwissen und menschlicher Erfahrung fasziniert mich auch nach all den Jahren immer wieder aufs Neue.

 

Und genau deshalb war unser verkaufsoffener Sonntag für mich so besonders.

Vielleicht haben wir der einen oder dem anderen einen kleinen Einblick in diese Welt ermöglichen können. Vielleicht ist aus einer einfachen Frage ein bisschen Neugier geworden. Und vielleicht schaut ihr beim nächsten ätherischen Öl nicht nur auf den Duft, sondern fragt euch auch, welche spannenden Moleküle darin enthalten sind.

Für mich war dieser Tag jedenfalls eine schöne Erinnerung daran, dass Wissen nicht selbstverständlich ist – und wie wertvoll es sein kann, dieses Wissen miteinander zu teilen.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft, die ich euch heute mitgeben möchte:

Wir müssen nicht alles wissen, um neugierig zu werden. Aber je mehr wir verstehen, desto bewusster können wir mit diesen faszinierenden Pflanzenstoffen umgehen.

Danke für eure Besuche, eure Offenheit, eure Fragen und die vielen herzlichen Gespräche.

Ihr habt mir wieder einmal gezeigt, warum ich meine Arbeit so liebe.

Eure Sabrina


Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle

Wichtig:
Ich bin keine Wissenschaftlerin – aber eine Wissenschafferin. Ich liebe es, Wissen zu sammeln, es greifbar zu machen und mit anderen zu teilen. Dieser Artikel ersetzt weder deinen Arzt/Ärztin, Therapeut*in noch deine Eigenverantwortung und ist in keinster Weise als Therapie gedacht. Er soll informieren, inspirieren und dein Bewusstsein zu schärfen.

Mir ist bewusst, dass ich keinen Anspruch auf absolute wissenschaftliche Korrektheit erhebe – mein Ziel ist es vielmehr, gesundheitsbewussten und interessierten Menschen einen einfachen, alltagstauglichen Zugang zu diesem faszinierenden Thema zu ermöglichen. Ich hoffe sehr, dass mir das mit diesem Artikel gelungen ist.

Wenn du aus meinen Beiträgen Inspiration oder wertvolle Impulse mitnehmen kannst, freue ich mich über dein Feedback, einen Einkauf in meinem Shop oder einen kleinen Beitrag in die Spendenkasse.

💚 Danke fürs Lesen und dein Interesse an der Welt der Düfte! 💚

Hinweis zu Dosierungen und unterschiedlichen Rezepturen

Wir werden oft gefragt, warum die Dosierung im Buch eine andere ist, als in unseren Podcasts, oder warum wir nun die eine oder andere Mischung für eine spezielle Anwendung mit unterschiedlichen ätherischen oder fetten Ölen empfehlen. Dies hat unterschiedliche Gründe, z.B. können wir in den Podcasts noch viele Erklärungen und Ergänzungen einfügen, wir können die Dosierungen für einzelne Menschen besser differenzieren als in Büchern. Ausserdem vergleichen wir auch die Inhaltsstoffe einzelner ätherischer Öle, so dass wir viele alternative Mischungen mit ganz unterschiedlichen Ölen empfehlen können, die jedoch allesamt gut funktionieren. Wir möchten damit auch aufmerksam machen, dass die Anwendung ätherischer Öle so vielfältig ist wie kaum eine andere naturheilkundliche Anwendung. Sicher – dazu braucht man das nötige “Know how” und sicherlich auch jahrelange Erfahrung.

Deshalb schreiben wir Bücher, Magazine, Blogbeiträge, machen Podcasts, kleine Videos, Newsletter mit Mehrwert und unterrichten Menschen. Wir lassen dich an unserem Wissen also teilhaben und dies meistens sogar kostenlos.

Bildhinweis: Nach eigenen Ideen und redaktionellen Vorgaben mit Unterstützung generativer KI erstellt.

 

 

 

5 Kommentare zu „Multi-Target-Wirkung ätherischer Öle – das komplexe Zusammenspiel ätherischer Öle“

  1. Grandios erklärt, danke! Dieses Thema beschäftigt mich ganz besonders, seit ich den eigentlich grandiosen Fachartikel von Prof. Dr. Michael Wink (2005) ‚Wie funktionieren Phytopharmaka? Wirkmechanismen der Vielstoffgemische‘ versuchte zu durchdringen. Obwohl ich ihn mehrfach las, erlangte ich mehr eine ‚Ahnung‘ als reproduzierbares Wissen. Doch seitdem bewundere ich die ätherischen Öle noch mehr!!! Ich durfte ja vergangenes Jahr im Buch ‚Vielstoffgemische‘ (auf englisch) mitwirken, doch auch darin geht es teilweise sehr, sehr abstrakt-wissenschaftlich zu.

    Ich wünsche diesem Artikel, dass er möglichst viele Menschen erreicht, insbesondere jene, die allzu achtlos und überdosierend mit unseren kostbaren natürlichen Duft-Ressourcen unterwegs sind.

  2. Ich hab seid ein paar Tagen eine leichte Blasenentzündung.Was kann ich tun ohne ein Antibiotikum nehmen zu müssen.Hab schon ein fertiges Intimöl ausprobiert und der Schmerz beim Wasserlassen hat nachgelassen.Ich benutze es einmal am Tag.Wie kann ich die e coli Bakterien aus meiner Blase bekommen,denn die wurden im Urin gefunden.Ganz liebe Grüße und ich Danke für eure Antwort

    1. Hallo Silke, bitte hab Verständnis, dass ich dir keine direkte Therapieempfehlung hier geben kann. Wir haben darüber schon viel geschrieben, z.B. in unserem Buch Aromatherapie für Frauen, wir haben in unserem Podcast darüber gesprochen und auf unseren Webseiten Artikel dazu verfasst. Im übrigen findest du diese Informationen auch immer über unsere Suchfunktion.
      https://aromapraxis.de/podcasts/episode-6-blasenentzuendung/
      https://aromapraxis.de/2011/02/09/blasenentzundung-naturheilkundlich-behandeln/
      https://www.shop-vivere.de/produkt/aromatherapie-fuer-frauen/

      Liebe Grüße Sabrina

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben scrollen