Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl

Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl

Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl

Ätherisches Weihrauch Öl einnehmen – wie sinnvoll ist das?

Viele Menschen lesen Studien über Boswelliasäuren und schließen daraus: „Dann nehme ich einfach ein paar Tropfen ätherisches Weihrauchöl ein.“

Das klingt logisch – ist es chemisch aber leider nicht.

Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl

Man kann sich Weihrauchharz wie eine Orange vorstellen:

Aus derselben Orange kann man

  • den Saft pressen,
  • die Schale destillieren,
  • die Ballaststoffe gewinnen.

Alles stammt aus derselben Pflanze – enthält aber völlig unterschiedliche Inhaltsstoffe.

Mit Weihrauch ist es genauso:

Das ätherische Weihrauchöl entsteht durch Wasserdampfdestillation des Harzes.

Dabei gelangen vor allem die flüchtigen Duftmoleküle ins Öl.

Dazu gehören beispielsweise:

  • α-Pinen
  • Limonen
  • Incensol
  • weitere Monoterpene und Sesquiterpene

Diese Moleküle sind klein und flüchtig – deshalb können wir sie riechen.

Sie werden vor allem wegen ihrer aromatherapeutischen Eigenschaften genutzt, beispielsweise in der Hautpflege, in der Aromapflege oder zur Raumbeduftung. Boswelliasäuren und ätherisches WeihrauchölDestillierter Weihrauch enthält KEINE Boswelliasäure bzw. allenfalls Spuren davon. Studien zu Tumoren und Schmerzen basieren auf Boswelliasäure aus Weihrauch-Extrakten. Destillierte Pflanzen und Extrakte enthalten unterschiedliche Inhaltsstoffe.

Die Boswelliasäuren
Boswelliasäuren sind dagegen große Harzsäuren. Sie sind nicht flüchtig.

Genau deshalb können sie nicht mit dem Wasserdampf übergehen. Sie bleiben nach der Destillation im Harz zurück. Deshalb enthält ein ätherisches Weihrauchöl praktisch keine Boswelliasäuren.

Die wissenschaftlichen Studien zu

  • 5-Lipoxygenase,
  • mPGES-1,
  • Leukotrienen,
  • PGE₂

wurden daher nicht mit dem ätherischen Öl, sondern überwiegend mit standardisierten Weihrauchextrakten durchgeführt, die gezielt Boswelliasäuren enthalten.

Deshalb macht das Schlucken von ätherischem Weihrauchöl in diesem Zusammenhang keinen Sinn. Wer ätherisches Weihrauchöl einnimmt, nimmt vor allem flüchtige Duftstoffe auf.

Die Boswelliasäuren, über die in den Studien gesprochen wird, sind darin jedoch praktisch nicht vorhanden.

Man würde also versuchen, mit dem falschen Pflanzenbestandteil den gewünschten Effekt zu erzielen.

Zusammengefasst kann man sagen:

Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl werden häufig miteinander verwechselt. Dabei handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Stoffgruppen. Die Boswelliasäuren, die in wissenschaftlichen Untersuchungen hinsichtlich ihrer Wirkung auf Entzündungsprozesse erforscht werden, sind nicht flüchtig und gelangen deshalb bei der Wasserdampfdestillation nicht in das ätherische Weihrauchöl. Das ätherische Öl enthält vor allem duftende Monoterpene und Sesquiterpene. Wer also ätherisches Weihrauchöl schluckt, nimmt nicht die Boswelliasäuren auf, über die in den Studien berichtet wird.

Warum klassische Schmerzmittel oft auch den Magen belasten:

Stell dir vor, in deinem Körper gibt es ein großes Rohrsystem.

Durch dieses Rohr fließt ein Stoff namens Arachidonsäure. Daraus stellt der Körper zahlreiche Botenstoffe her. Manche fördern Schmerzen und Entzündungen – andere schützen uns.

Diese Schutzstoffe sorgen beispielsweise dafür,

  • dass die Magenschleimhaut ausreichend durchblutet wird,
  • genügend schützender Schleim gebildet wird,
  • die Nieren gut durchblutet bleiben,
  • und die Blutgerinnung normal funktioniert.

Sie gehören also zur normalen Physiologie unseres Körpers.

Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl
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Was macht Ibuprofen?

Ibuprofen wirkt, indem es zwei Enzyme hemmt: COX-1 und COX-2.

Man kann sich das vorstellen, als würde ein Installateur den Wasserhahn fast vollständig zudrehen.

Dadurch fließt zwar deutlich weniger “Entzündungswasser”, aber gleichzeitig wird auch die Produktion der schützenden Prostaglandine reduziert. Deshalb können bei längerer oder hoch dosierter Einnahme Nebenwirkungen auftreten – beispielsweise Magenbeschwerden, Magengeschwüre oder eine verminderte Nierendurchblutung. Genau deshalb empfehlen Ärztinnen und Ärzte bei manchen Menschen zusätzlich einen Magenschutz oder kontrollieren die Nierenfunktion.

Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl

Warum interessiert sich die Forschung für Weihrauch?

Hier wird es spannend.

Die Arbeitsgruppen um Prof. Hermann Ammon, Prof. Oliver Werz und Prof. Johann Jauch konnten zeigen, dass Boswelliasäuren offenbar einen anderen Weg nutzen. Sie greifen nicht in erster Linie die Cyclooxygenasen (COX) an, sondern beeinflussen vor allem andere Schaltstellen der Entzündung.

Dazu gehören:

  • die 5-Lipoxygenase (5-LO), über die entzündungsfördernde Leukotriene entstehen,
  • sowie – nach neueren Erkenntnissen – das Enzym mPGES-1, das maßgeblich an der Bildung des Schmerz- und Entzündungsbotenstoffes Prostaglandin E₂ (PGE₂) beteiligt ist.

Das Besondere daran:

Nach heutigem Forschungsstand könnte dieser Mechanismus gezielter sein als eine allgemeine COX-Hemmung. Die Hoffnung der Forschenden ist, dass sich dadurch vor allem die entzündungsfördernden Signalstoffe beeinflussen lassen, während andere Prostaglandine, die beispielsweise den Magen oder die Nieren schützen, möglicherweise weniger stark beeinträchtigt werden.

Was bedeutet das für die Praxis?

Das ist ein spannender Forschungsansatz – aber kein Beweis dafür, dass Weihrauchextrakte grundsätzlich nebenwirkungsfrei sind oder klassische Schmerzmittel ersetzen können.

Vielmehr zeigen die bisherigen Untersuchungen, dass Boswelliasäuren einen anderen biologischen Angriffspunkt besitzen als Ibuprofen oder Diclofenac. Genau deshalb beschäftigen sich Pharmakologen seit vielen Jahren intensiv mit diesem Naturstoff.

Ibuprofen bremst die gesamte COX-Straße – mit erwünschten und unerwünschten Folgen. Boswelliasäuren scheinen dagegen eher einzelne Schaltstellen innerhalb der Entzündungskaskade zu modulieren. Genau dieser selektivere Ansatz macht sie für die Forschung so interessant. Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl Möchtest du mehr über Weihrauch Extrakt in der Schmerztherapie erfahren, dann hör unsere Podcast Episode 176 mit der Expertin Cornelia Stern (klick hier)


Weihrauchöl kann Schmerzen begleiten – aber anders als Boswelliasäuren

Wenn von Weihrauch und Schmerzen die Rede ist, lohnt sich eine wichtige Unterscheidung: Auch ätherisches Weihrauchöl kann in einem Muskel- oder Massageöl eine interessante schmerzlindernde Begleitung sein – nur beruht das nicht auf den Boswelliasäuren. Diese stecken, wie bereits erklärt, praktisch nicht im destillierten ätherischen Öl.

Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl

Im ätherischen Weihrauchöl von Boswellia sacra finden wir stattdessen vor allem flüchtige Monoterpene, je nach Herkunft und Charge beispielsweise α-Pinen, α-Thujen, Limonen, Sabinen und Myrcen. Dazu kommen kleinere Mengen weiterer Stoffgruppen.

Und genau hier wird es spannend: Ein ätherisches Öl ist kein einzelner Wirkstoff. Es ist ein komplexes Gemisch vieler kleiner, fettlöslicher Duftmoleküle. Wird Weihrauchöl entsprechend verdünnt in ein Muskelöl eingearbeitet und lokal einmassiert, treffen mehrere Ebenen aufeinander: die Inhaltsstoffe des ätherischen Öls, die Aufnahme über die Haut, die Massage und nicht zuletzt der Duft selbst.

Deshalb kann Weihrauch beispielsweise eine schöne Ergänzung in Mischungen für verspannte, schmerzende oder überbeanspruchte Muskulatur sein. In unseren Materialien wird Boswellia sacra auch in der begleitenden Aromapflege eingesetzt; bei äußerlicher Anwendung arbeiten wir dabei mit niedrigen Dosierungen.

Wichtig ist jedoch: Das ist ein anderer Ansatz als bei einem standardisierten Weihrauchextrakt.

Bei einem Boswelliasäure-haltigen Extrakt interessieren uns bestimmte Harzsäuren und deren untersuchte Wirkmechanismen. Beim ätherischen Weihrauchöl arbeiten wir dagegen mit den flüchtigen Bestandteilen der Pflanze und einer lokalen aromatherapeutischen Anwendung.

Weihrauch kann also durchaus in beiden Welten auftauchen – aber wir dürfen die dahinterstehenden Inhaltsstoffe und Wirkmechanismen nicht miteinander vermischen. Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl Rezept: Gelenk- und Muskelpower 50 ml Johanniskrautöl
5 Tropfen Weihrauch
5 Tropfen Rosmarin Ct. Cineol
5 Tropfen Lavandin super
5 Tropfen Majoran
Mehr über Aromatherapie bei Schmerzen lernst du in unserem Seminar
„Ätherische Öle bei Schmerzen und Angst“

Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl

Seelenbalsam: Wenn sich der Brustkorb „eng“ anfühlt

Noch aus einem anderen Grund schätze ich Weihrauchöl: in der begleitenden Aromapflege der Atemwege.

Manche Menschen beschreiben bei einer starken Bronchitis oder bei Asthma nicht nur Husten oder Schleim, sondern dieses unangenehme Gefühl: „Mein Brustkorb fühlt sich eng an.“

Boswelliasäuren und ätherisches WeihrauchölSeelenbalsam eine Duftmischung nach Sabrina Herber & Eliane Zimmermann
Manchmal sehnen wir uns nach einer beschützenden Umarmung. Die schützende Orange hilft beim Loslassen von Beklemmungen und Gefühlen von Enge. Verbunden mit der Süße der Vanille finden wir wieder in unsere Mitte. Abgerundet wird diese Komposition mit dem kostbaren Weihrauch, der uns in eine feierliche Stimmung versetzen kann. Tief einatmen und vielleicht klopft bald das Glück wieder an und unsere kleine Welt ist wieder in Ordnung.

Hier kann der Duft von Weihrauch als Bestandteil einer individuell passenden Aromapflege interessant sein. In unserem Ratgeber zur begleitenden Aromatherapie wird Boswellia sacra unter anderem bei Atemnot und chronischer Bronchitis aufgeführt.

Dabei geht es nicht darum, Asthma mit Weihrauchöl zu „behandeln“ oder gar einen Bronchodilatator bzw. andere verordnete Medikamente zu ersetzen. Gerade bei Asthma wäre eine solche Aussage fachlich falsch und potenziell gefährlich.

Es geht vielmehr um Begleitung.

Ein angenehm empfundener Weihrauchduft kann zusammen mit einer sanften Brusteinreibung ein Gefühl von Ruhe und Weite unterstützen. Das passt auch zu seiner traditionellen Verwendung auf seelischer Ebene: Weihrauch wird gerne eingesetzt, wenn Menschen zur Ruhe kommen, abschalten und ihre Atmung bewusster wahrnehmen möchten. In unseren Unterlagen wird Weihrauch zudem den eher ausgleichenden Düften zugeordnet.

Aus Eng wird weit:

10 ml Johanniskrautöl
1 Tr. Weihrauch
1 Tr. Khella 20%
2 Tr. Petitgrain Bergamotte

damit Brust und Rücken sanft einreiben.

Und gerade hier zeigt sich wieder, warum Aromatherapie mehr ist als die Suche nach „dem einen Wirkstoff“. Haut, Berührung, Duftwahrnehmung und Nervensystem wirken bei einer Einreibung zusammen.

Bei Asthma ist allerdings besonders wichtig: Die Nase der betroffenen Person entscheidet mit. Ein Duft, der als unangenehm, stechend oder bedrängend empfunden wird, gehört nicht auf den Brustkorb. Und bei akuter Atemnot, ausgeprägter Enge oder einer deutlichen Verschlechterung der Atmung ist ätherisches Öl keine Selbsthilfemaßnahme – dann braucht es die entsprechende medizinische Behandlung.

Kurz gesagt: Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl können beide im Zusammenhang mit Beschwerden des Bewegungsapparates interessant sein – aber aus völlig unterschiedlichen Gründen. Der Extrakt liefert die nicht flüchtigen Boswelliasäuren. Das ätherische Öl liefert die flüchtigen Duftmoleküle und eignet sich deshalb vor allem für die äußerliche und inhalative Aromapflege.

Wichtig:
Ich bin keine Wissenschaftlerin – aber eine Wissenschafferin. Ich liebe es, Wissen zu sammeln, es greifbar zu machen und mit anderen zu teilen. Dieser Artikel ersetzt weder deinen Arzt/Ärztin, Therapeut*in noch deine Eigenverantwortung und ist in keinster Weise als Therapie gedacht. Er soll informieren, inspirieren und dein Bewusstsein zu schärfen.

Mir ist bewusst, dass ich keinen Anspruch auf absolute wissenschaftliche Korrektheit erhebe – mein Ziel ist es vielmehr, gesundheitsbewussten und interessierten Menschen einen einfachen, alltagstauglichen Zugang zu diesem faszinierenden Thema zu ermöglichen. Ich hoffe sehr, dass mir das mit diesem Artikel gelungen ist.

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Hinweis zu Dosierungen und unterschiedlichen Rezepturen

Wir werden oft gefragt, warum die Dosierung im Buch eine andere ist, als in unseren Podcasts, oder warum wir nun die eine oder andere Mischung für eine spezielle Anwendung mit unterschiedlichen ätherischen oder fetten Ölen empfehlen. Dies hat unterschiedliche Gründe, z.B. können wir in den Podcasts noch viele Erklärungen und Ergänzungen einfügen, wir können die Dosierungen für einzelne Menschen besser differenzieren als in Büchern. Ausserdem vergleichen wir auch die Inhaltsstoffe einzelner ätherischer Öle, so dass wir viele alternative Mischungen mit ganz unterschiedlichen Ölen empfehlen können, die jedoch allesamt gut funktionieren. Wir möchten damit auch aufmerksam machen, dass die Anwendung ätherischer Öle so vielfältig ist wie kaum eine andere naturheilkundliche Anwendung. Sicher – dazu braucht man das nötige “Know how” und sicherlich auch jahrelange Erfahrung.

Deshalb schreiben wir Bücher, Magazine, Blogbeiträge, machen Podcasts, kleine Videos, Newsletter mit Mehrwert und unterrichten Menschen. Wir lassen dich an unserem Wissen also teilhaben und dies meistens sogar kostenlos.

2 Kommentare zu „Boswelliasäuren und ätherisches Weihrauchöl“

  1. Hallo liebe Sabrina,

    ein toller, anschaulicher und umfassender Artikel dem ich eigentlich nur noch folgende zwei Links hinzufügen möchte:
    https://aromapraxis.de/2023/01/23/weihrauch-macht-reich-bestimmte-menschen-frauen-zahlen-teuer-dafuer/ und https://aureliasan.de/inhaltsstoffe-des-weihrauches

    Beim Rezept „Gelenk- und Muskelpower“ könnte man statt reinem Rosmarin auch Wiesenkönigin (Mädesüß codestilliert mit Rosmarin) nehmen, die sich in diese Mischung bestimmt wunderbar ergänzen würde.

    Liebe Grüße,
    Marc

  2. Pingback: Zöliakie naturheilkundlich behandeln – Grauer-Magier.de

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